Selbst-Akzeptanz

„Sei dir selbst ein Licht.“ Buddha

Kürzlich sah ich einen Artikel, wie man in den sozialen Medien mehr Klicks erreichen könnte. Die Botschaft des Artikels war klar: Die Menge der Klicks ist entscheidend. Mehr Klicks bedeuten mehr Bestätigung, sie deuten darauf hin, dass dein Beitrag was taugt, dass du was taugst. Doch stimmt das? Wozu sind die sozialen Medien überhaupt da? Dienen sie dem zwischenmenschlichen Austausch oder sind es reine Werbeplattformen, in denen man für sich und sein Produkt (oder gar sich als Produkt) wirbt? Was also sagen die Klicks über mich aus?

Sind Klicks die Bestätigung, dass ich gut bin? Was, wenn sie ausbleiben? Was habe ich falsch gemacht? Was ist an mir falsch? Und wie gehe ich damit um, wenn sie nicht nur ausbleiben, sondern ich auch noch negative Kommentare kriege? Verletzende Kommentare? Wie ernst muss ich die nehmen? Wie kann ich drüber stehen?

In einer Zeit, als ich sehr intensiv auf meinem Yogaweg unterwegs war, Asanas täglich viel Zeit und Raum eingenommen haben, stellte ich mal ein Bild einer Asana ins Netz. Die Reaktionen hätten nicht vielfältiger sein können. Ein Mann meinte, das sähe erotisch aus. Eine Frau meinte, ich sei auf Männerfang. Weitere Stimmen befanden, ich solle mal was essen, nicht nur turnen. Die mehrheitlichen Reaktionen betrafen meinen Körper, die Art und Weise, wie er gebaut war, Meine Freude über eine neu geübte Asana ging unter, Yoga war kein Thema.

Schon oft ist mir aufgefallen, dass Körperformen ein grosses Thema sind. Gerade auch in den sozialen Medien scheint es kaum Hemmungen zu geben, was die Kommentare dazu betrifft. Ich las von „Skinny Bitches“, hörte Spott über dünne Frauen (sie seien gar keine so ohne Kurven), dass die eh nur an Salatblättern knabbern würden oder sonst (ess-)gestört seien. Ich las von Dicken, die ständig was in den Mund schieben und sich drum nicht wundern müssten, las spöttische Bemerkungen über Wabbelbäuche und Schwabbelhintern. Ich selber merkte, wie mich die Reduktion auf diese körperlichen Merkmale immer mehr trafen. Ich fing an, meine Bilder unter diesen Gesichtspunkten anzuschauen. Hatte ich sie vorher mit Freude gemacht, fragte ich mich nun vermehrt, wer was darin sehen, wo man mich angreifen könnte. Ich fing an zu überlegen, wie ich mich besser kleiden könnte, damit gewisse Stellen kaschiert werden, mich quasi verstecken könnte in Kleidern. Das Ganze hatte auch Auswirkungen im Alltag.

Und plötzlich merkte ich, was ich da tat: Ich liess den Stimmen von Menschen, die ich mehrheitlich nicht mal kannte, so viel Raum und so viel Macht, dass sie mich tief beschäftigen und treffen konnten. Ich hoffte natürlich auch förmlich darauf, dass jemand käme und alles widerlegte, mir sagte, dass ich schon ok sei, wie ich sei. Nur, wer könnte das tun, so dass ich es glaube? Neigen wir nicht generell oft dazu, Kritik ernster zu nehmen als Lob?

Was zu all dem aber zu sagen ist: Jeder hat seien Körper und sollte stolz darauf sein dürfen. Ich mag meinen Körper, ich bin ihm auch sehr dankbar, da er mich zuverlässig auf meinem Weg durch dieses Leben trägt. Er hat seinen Dienst nicht quittiert, auch in schweren Krankheiten nicht. Selbst als ich als Kind nah am Tod vorbei schlitterte – er trug weiter. Und gerade wieder hat er mich durch eine lange Krankheit getragen. Wie oft mäkeln wir an unserm Körper rum und wie oft danken wir ihm? Wie oft tun wir ihm was Gutes, weil er es verdient hat?

Egal, ob jemand dick oder dünn ist, ob er rote oder braune Haare, X- oder O-Beine hat: Jeder Mensch ist schön und keiner hat es verdient, aufgrund seines Körpers (ab-)qualifiziert zu werden. Jeder soll den Körper haben dürfen, mit dem er sich wohl fühlt. Wenn er sich selber nicht wohl fühlt, dann kann er vielleicht etwas tun, das zu ändern (körperlich oder an der eigenen Sicht auf sich). Wichtig ist doch aber:

Es ist dein Körper, es ist dein Leben, gefragt ist DEINE Bestätigung, nicht die von 100000 Leuten aus dem Netz.

6 Kommentare zu „Selbst-Akzeptanz

  1. Liebe Sunny, ich habe noch nie in den sozialen Medien nach körperlicher Bestätigung gesucht, oder diese bei anderen unterstützt. Menschen, die schon am äußeren Erscheinungsbild anderer Urteile abgeben, sind viel mehr mit sich und ihrer Falschheit beschäftigt, als mit dir oder mir. Du benötigst auch keine 1000 Leute, die dich wegen diesem und jenem klasse finden, es reicht völlig, wenn dich eine handvoll Menschen so mögen und schätzen wie du bist. Zähl mich bitte dazu …

    Gefällt 2 Personen

    1. Ich sehe das heute gleich, Arno. In meinen Anfängen in den sozialen Medien hat mich das aber schon beschäftigt. Das Hinterfragen meiner Gefühle hat mich aber viel gelehrt.

      Und: Das beruht auf Gegenseitigkeit, lieber Arno!!

      Gefällt 1 Person

    1. Ganz lieben Dank auch dir für deine immer wieder inspirierenden und schönen Kommentare. Hab einen schönen letzten Tag im Jahr und rutsch gut ins neue Jahr, das dir hoffentlich viel Gutes und Schönes bringt. Liebe Grüsse, Sandra

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s