Projektion

„Wir machen ihn (den anderen Menschen, S.M.) zum Aufhänger für die vielen Kleider, die wir selber nicht tragen wollen.“[1]

Nichts kritisiert man so leicht wie die Fehler der Anderen. Wir sehen sie und sind schnell mit unserem Urteil dabei. Teilweise denken wir dieses nur für uns, teilweise teilen wir es dem anderen gleich mit. In beiden Fällen aber steckt etwas drin: Ich setze den Massstab und du entsprichst diesem nicht.

Es steckt aber noch mehr drin: Oft sind die Dinge, die uns an anderen stören, die, welche sich auch in uns finden – oft als dunkle Flecke, die wir tunlichst übersehen. Zwar sind sie da, machen uns wohl mitunter das Leben schwer, weil sie sich durchaus nach aussen äussern, für uns aber oft nicht sichtbar und damit nicht veränderbar sind.

Beziehungen zu anderen Menschen können uns helfen, unsere blinden Flecke aufzudecken. Wenn wir hinsehen, was uns an anderen stört, können wir in uns gehen und uns fragen wieso. Was ist es, das uns aufregt? Was in uns rebelliert gegen die Art, die uns stört? Was wir tun und wie wir reagieren, was auf uns wirkt und wie es auf uns wirkt, hat immer mehr mit uns selber zu tun als mit anderen. Dadurch, dass wir sind, wie wir sind, sehen wir die Welt durch unsere eigenen Augen und prägen sie dadurch auch. Es ist unsere Haltung und Einstellung, die unsere Welt interpretiert. Am Anfang steht also eine grosse Forderung:

Erkenne dich selbst!

Wenn wir das mal erkannt haben, bietet sich auch die Möglichkeit, an denen eigenen Haltungen und Einstellungen zu arbeiten. Es bietet sich die Möglichkeit, objektiver sehen zu lernen, indem wir unseren eigenen Anteil an der Sicht erkennen und vielleicht auch aussen vor lassen können. Dann haben wir die Chance, die Dinge eher so zu sehen, wie sie sind, als so, wie wir sie durch unsere (unbewussten) Prägungen hindurch sehen. Und: Nicht nur die Dinge sehen wir dann so, auch andere Menschen. Erich Fromm sagte dazu mal:

„Einen anderen Menschen kreativ sehen, heißt ihn objektiv, ohne Projektionen und ohne Entstellungen sehen, und das bedeutet, dass man in sich selbst jene neurotischen „Laster“ überwindet, die unausweichlich zu Projektionen und Entstellungen führen. Es bedeutet, zur Wahrnehmung der inneren und äußeren Wirklichkeit voll zu erwachen. Nur wer jene innere Reife erreicht, wer seine Projektionen und Entstellungen auf ein Minimum reduzieren kann, wird kreativ leben.“[2]

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[1] Erich Fromm, Der kreative Mensch
[2] Erich Fromm, Der kreative Mensch

2 Kommentare zu „Projektion

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