Philosophische Praxis versus Psychotherapie

Was ist eine Philosophische Begleitung?

Gelegentlich werde ich gefragt, was man in einer Philosophischen Praxis erwarten könne, wer zu mir komme. In meiner Philosophischen Praxis biete ich eine philosophische Begleitung für Menschen an, welche in ihrem Leben auf Schwierigkeiten stossen. Etwas ist passiert (oder eben nicht) und damit ist das Leben und sind die Gedanken in Unordnung geraten. Der betreffende Mensch steht an, möchte sein Leben wieder in eine Ordnung bringen, die für ihn stimmig und gut ist. Er sucht nach einer Lösung für etwas, das er für sich als Problem definiert. Hier setzt die Philosophische Begleitung an.

Am Anfang steht immer die Erzählung des Klienten: Was in seinem Leben bereitet ihm Sorgen, wo steht er an, in welcher Krise befindet er sich. Im Dialog versuchen wir, tiefer zu gehen. Wir versuchen herauszufinden, wieso das, was den Klienten aus der Balance, aus seiner gewünschten Ordnung geworfen hat, ein Problem darstellt. Wichtig ist immer auch, herauszufinden, was ein Klient für sich als Ordnung empfindet – und wieso. Wir schauen das von allen möglichen Seiten an. Neue Sichtweisen verhelfen oft auch zu anderen Gefühlen einer Situation gegenüber.

Wichtig ist dabei, dass es ein Gespräch auf Augenhöhe ist, eines, das nicht von einer vorgefertigten Methode oder Haltung ausgeht, sondern das individuelle Problem, die persönliche Fragestellung des Klienten als Ausgangspunkt nimmt.

Was aber unterscheidet die Philosophische Begleitung von der Psychotherapie?

In eine Psychotherapie kommt ein Mensch, der geheilt werden will. In der Psychologie geht man von diagnostizierbaren Krankheiten aus, damit von einer Norm, wie ein Mensch zu sein hat. Entspricht er dieser Norm nicht, weicht er in bestimmten Belangen ab, kann man ihn therapieren. Der Therapeut ist also der Heiler, der die nötigen Hilfs- und Heilmethoden kennt, die der Patient zu seiner Heilung einsetzen kann. In dieser Beziehung besteht also eine Hierarchie (einer weiss es, der andere übernimmt). Die Philosophische Begleitung zeichnet sich gerade durch das Fehlen einer Hierarchie aus. Wichtig ist hier der Kontakt auf Augenhöhe. Zudem hat die Philosophische Begleitung auch keinen Heilungsanspruch.

Der Mensch, der in die Philsophische Praxis kommt, ist mit etwas in seinem Leben nicht zufrieden. Oft steckt er fest und sucht eine Lösung. Die Philosophische Begleitung, verstanden als Dialog zwischen zwei Menschen, hilft dabei, Denkstrukturen zu hinterfragen, neue Perspektiven zu finden und damit auch Lösungen aus festgefahrenen Situationen. Dabei gilt es aber nicht nur, das gefühlte Problem zu überwinden, sondern auch, durch das (sich selbst) Hinterfragen in Beziehung mit sich zu treten, zu einer Selbstbegegnung und Selbsterkenntnis.

Schon der buddhistische Geistliche Gönpawa wusste:

„Die Wurzel der Weisheit liegt in der Beobachtung des eigenen Geistes.“

Wenn wir wissen, wie wir denken, wenn wir wissen, wie wir die Welt sehen, eröffnen sich uns auch Wege, mit verschiedenen Situationen in dieser umzugehen.

 

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