Yoga ist nichts für mich

Immer wieder stosse ich auf Menschen, die mit einem Grundton der Überzeugung sagen:

Yoga ist nichts für mich

Nun bin ich durchaus der Meinung, dass Yoga nicht jedem gefallen muss und kann, dass jeder für sich entscheiden sollte, was ihm liegt und was nicht. Stutzig werde ich, wenn als Argument, wieso Yoga nichts ist, folgende Aussagen kommen:

  • Ich habe keine Zeit
  • Ich bin nicht beweglich
  • Ich bin zu alt dafür
  • Yoga ist mir zu lahm, ich brauche Power
  • Yoga ist eine Religion und ich mag keine Religionen
  • Das ist mir zu esoterisch

 

Ich habe keine Zeit
Unsere Tage sind meist gut gefüllt mit Arbeit, Familie, Haushalt und anderen Verpflichtungen. Oft kommen wir fast nicht nach mit allem, was wir tun müssen, da erscheint es uns unmöglich, noch mehr in unsere Tage zu packen – schon gar kein Sport oder Yoga. Wenn wir aber genau hinsehen, machen wir auch ganz viel, von dem wir denken, es diene unserer Entspannung, merken dabei nicht, dass es uns eher ablenkt, anstrengt oder uns gar nicht gut tut: Wir surfen motivationslos durchs Netz, hängen Stunden am Handy und klicken uns durch verschiedene Apps, hauen uns aufs Sofa und zappen durch die Sender, das Knabberwerk griffbereit. Später fallen wir ins Bett und denken, der Tag war anstrengend, wir sind müde. Dass der Schlaf danach oft unruhig ist, wir uns vielleicht im Bett wälzen, Gedanken noch drehen im Kopf, schieben wir auf unsere strengen Tage, nicht auf die wenig befriedigende – so gedachte – Entspannung. Yoga könnte hier helfen, die Gedanken zur Ruhe kommen zu lassen, den Körper auf den Schlaf vorzubereiten und uns insgesammt wirklich zu entspannen. Klar erscheint es im ersten Moment als noch ein Termin mehr, wenn aber die Erfahrung eintritt, dass dieser Termin nicht mehr Stress, sondern im Gegenteil mehr Ruhe bringt, wird es kein weiterer Termin mehr, sondern es ist die persönliche Oase im täglichen Alltagsdschungel.

 

Ich bin nicht beweglich
Zu denken, man könne keinen Yoga machen, weil man nicht beweglich ist, wäre wie zu sagen, man ginge nicht in die Schule, weil man nicht schreiben kann. Zudem: Nicht jeder ist Kontorsionskünstler, nicht jeder kann sich beliebig verbiegen und das ist auch nicht nötig. Nie muss sich der Mensch den einzelnen Yogastellungen anpassen, sondern diese passen sich dem Menschen an. Yoga ist für jedermann geeignet, egal, wie beweglich, fit oder alt er ist.

 

Ich bin zu alt
Es gibt kein perfektes Alter, um mit Yoga zu beginnen. Auch hier gilt: Yoga passt sich dem Menschen an und man stellt Yogastunden so zusammen, dass sie für den einzelnen Menschen und seine Möglichkeiten und Bedürfnisse passen. Wichtig ist nie, wie weit man kommt, sondern dass man den eigenen Körper kennenlernt und seine Möglichkeiten ausschöpft. Und wer weiss: Mit der Zeit kommen vielleicht neue dazu, von denen man dachte, man hätte sie schon lange verloren oder gar nie gehabt.

 

Yoga ist zu lahm, ich brauche Power
Es gibt fast unendlich viele Yogastile, ständig kommen neue dazu. Die Bandbreite reicht mittlerweile vom sehr entspannten und entspannenden YinYoga bis hin zu den schweisstreibenden und kraftvollen Stilen wie Ashtanga Yoga oder Poweryoga. Auch hier gilt: Es gibt für jeden den passenden Stil, der genau das beinhaltet, was man sich von einem persönlichen Programm erhofft, das die Bedürfnisse abdeckt, die bei einem selber da sind.

 

Yoga ist eine Religion
Yoga kommt aus Indien und hat sicher Einflüsse aus dem Hinduismus und dem Buddhismus (neben anderen) erfahren. Trotz alledem ist Yoga keine Religion. Es geht beim Yoga nicht darum, einen Gott anzubeten, sondern darum, sich selber kennenzulernen. Yoga ist eine Methode, sich mit sich und dem Leben auseinander zusetzen und damit ins Reine zu kommen. Er ist eine Methode, eigene Muster zu erkennen, zu durchbrechen und damit Leid zu vermeiden. Yoga führt zu Selbsterkenntnis, zu mehr Ruhe, Gelassenheit und Grossmut – sich und anderen gegenüber.

 

Yoga ist mir zu esoterisch
Viele sehen, wenn sie an Yoga denken, sich wiegende, om singende Menschen in bunten Tüchern sowie Statuen und Altare vor sich. Götter wie Ganesha, Hanuman und Shiva hängen an den Wänden und Buddha-Statuen stehen in allen Räumen. Das kann abschrecken. Wenn dann noch philosophische Aussagen kommen, die dem westlichen Denken diametral entgegengesetzt und für unseren rationalen Geist nicht fassbar sind, dann nimmt so mancher die Beine in die Hand und will weit weg. Yoga hat sicher eine philosophische Grundlage, die nicht immer leicht zu verstehen ist, mit Esoterik hat Yoga aber nichts zu tun (sonst wäre ich selber auch weit weg gerannt). Was beim Yoga wunderbar ist, ist die Möglichkeit, Dinge selber zu erfahren. Nur so funktioniert Yoga. Was man in Büchern liest, was man von Lehrern hört, sind nur Annäherungen und Beschreibungen von etwas, das im Kern nur erfahrbar und nicht beschreibbar ist. Die Yogamatte dient als Übungsplatz fürs Leben, sie hilft, durch die Praxis mehr über sich – Körper und Geist – zu erfahren. Und mit diesen Erfahrungen erschliessen sich auch Dinge, die man vielleicht mal gehört hat. Vielleicht auch nicht. Hauptsache Yoga tut gut, man kommt mit einem guten Gefühl aus der Stunde und sieht ihn als Bereicherung für das eigene Leben.

 

Jeder kann, keiner muss
Jedermann kann Yoga machen, es gibt keinen Grund, wieso man nicht Yoga machen KANN.

Aber: Nicht jeder muss Yoga machen, denn nichts ist für alle und jeder soll seinen Weg finden, das Leben zu leben und damit glücklich zu werden.

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