„Alles zuviel“ – Was nun?

Jeder kommt wohl mal in eine Situation, in der er denkt, er hätte keine Kraft mehr. Wir sehen, was alles bewältigt werden muss und der Berg erscheint unbezwingbar. Am liebsten würden wir irgendwo verkriechen, die Decke über den Kopf ziehen und von allem nichts mehr hören, sehen oder wissen. Leider geht das selten.

In solchen Situationen kann es helfen, sich zurückzubesinnen. Es gab schon vor der aktuellen Situation Momente, in denen wir uns so gefühlt haben. Und offensichtlich haben wir es geschafft, sie zu überwinden und weiterzugehen. Wir scheinen also über Kräfte zu verfügen, die über das hinausgehen, was wir von uns selber denken. Und: Wir haben Fähigkeiten, diese zu mobilisieren.

Wenn wir uns vor Augen führen, dass wir schon früher in solchen Situationen waren und diese bewältigt haben, können wir daraus Kraft schöpfen und uns dazu motivieren, auch die aktuelle Situation anzupacken – in der Zuversicht, dass es uns gelingen kann, sie zu meistern. Oft hilft es, sich nochmals ganz genau vor Augen zu führen, wie das in früheren Fällen ablief und wie es sich anfühlte, nachdem sich alles zum Guten aufgelöst hatte.

Danach ist es wichtig, das Problem, das uns beschäftigt, genau zu betrachten und zu analysieren. Erst, wenn wir erkennen, was ist, können wir eine gezielte Strategie entwickeln, damit umzugehen. Wenn wir das mal erkannt haben, gilt es, den passenden Weg zur Lösung zu überlegen. Die Art und Weise der Vergangenheit ist eine Möglichkeit, vielleicht finden wir aber noch weitere?

Wenn das Problem gar gross erscheint, kann es helfen, es in Teilaspekte zu zerlegen und diese einzeln anzugehen. So erscheint die einzelne Herausforderung nicht so gross und damit handhabbarer.

Ganz wichtig bei der Suche nach dem richtigen Weg ist es, sich bewusst zu werden, welche eigenen Fähigkeiten helfen können bei der Problemlösung? Wo liegen unsere Stärken, wie können wir sie gezielt einsetzen? Es bringt nichts einen Weg zu definieren, der an unseren Stärken vorbei läuft, der von uns Dinge fordert, die wir nicht liefern können. Dabei stellt sich allerdings immer die Frage, ob wir sie nicht liefern können oder aber nur glauben, es nicht tun zu können. Selbsterkenntnis ist eine wichtige Grundvoraussetzung bei der Problemlösung.

Nicht alles kann man alleine schaffen, ab und an braucht man auch Hilfe von aussen. Dies ist kein Eingeständnis der eigenen Unfähigkeit, sondern im Gegenteil ein Zeichen von Vernunft und Einsicht. Richtig delegieren zu können, auf die passenden Hilfsmittel und helfenden Menschen abstützen zu können, zeugt von Professionalität und kompetenter Einschätzung von Situation und Kräften.

Manchmal ist es nicht nur ein Problem, das drohend am Horizont steht, sondern es sind viele kleine Aufgaben, die uns den Schlaf rauben, weil wir die Zeit nicht sehen, sie alle zu erledigen. Wichtig ist da sicher, Prioritäten zu setzen und die einzelnen Aufgaben genau auf ihre Notwendigkeit zu prüfen. Zu viele Aufgaben können ein Zeichen dafür sein, dass wir lernen müssen, nein zu sagen, dass wir uns vielleicht auch zu viel vornehmen, einen zu perfektionistischen Anspruch haben, und vieles mehr. Ob und was davon zutrifft, kann nur individuell und situativ entschieden werden.

Wenn also wieder einmal eine Situation auftaucht, bei der wir denken, dass sie unsere Kräfte übersteigt, können folgende Fragen helfen:

  • Was steht alles an? à Am besten eine Liste mit allen Punkten, die Kraft kosten (egal, ob sie zu erledigen sind oder einfach situativ kräftezehrend), machen.
  • Muss ich wirklich alles erledigen und muss ich es jetzt machen? à Die Aufgaben gewichten nach ihrer Wichtigkeit und dann Prioritäten setzen.
  • Wie könnte ich grosse Aufgaben in kleinere Schritte aufteilen? Oft werden Aufgaben weniger bedrohlich, wenn sie in kleinere aufgeteilt werden können.
  • Welche Fähigkeiten habe ich, die hier helfen könnten? à Oft sieht man nur die Aufgaben und fühlt sich überfordert, ohne genau hinzuschauen, was man alles könnte, das hilft.
  • Wer könnte mir helfen? à Niemand kann alles, aber vielleicht kennt man jemanden, der eine Fähigkeit hat, die in diesem Fall helfen könnte. Auch um Hilfe bitten ist eine Fähigkeit.

Bei all dem Problematischen und Kräftezehrenden im Leben sollte man aber nie vergessen, dass daneben auch Gutes existiert. Eine Liste mit allem, was gut ist, wofür man dankbar sein kann, hilft oft, nicht mehr alles gar so düster zu sehen – und damit kommt auch wieder mehr Kraft, den Rest auch noch zu bewältigen.

9 Kommentare zu „„Alles zuviel“ – Was nun?

      1. Ich mag das Schweizerische auch sehr und ich stehe dazu, dass ich schlicht Schweizer bin. Ich bin aber auch Germanistin und merke immer wieder: Im Eifer des Schreibens kommen die Ideen und dann schreib ich, wie der Schnabel gewachsen ist. Das nennt man wohl betriebsblind. Oder aber: authentisch 😉

        Ich bin dankbar für die Hinweise. Liebe Grüsse, Sandra

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      2. Es ist für mich ein grosses Geschenk, mit dir über diese Plattform in Kontakt gekommen zu sein. Das möchte ich mal gesagt haben. Ich mag den Austausch.

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      3. Danke viumau,
        allmächd, jetzt hast Du den Beitragstitel wirklich geändert – ohne Bezug auf das ursprüngliche „Ich stehe an“. Was meint dies Schwyzerisch?
        Manchmal gebe ich Überschriften zweisprachig in Deutsch und Englisch an, wenn mir scheint, dies könnte für internationale Leser*innen interessant sein …
        Schöne Grüße, Bernd

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      4. Ich stehe an, meint in etwa: Da ist ein Berg, ich seh‘ nicht drüber, da steh ich an, weil ich keinen Weg mehr sehe. Also quasi ein „nicht drüber hinweg kommen“. Man geht so Schritt für Schritt, dann ist da ein Element im Weg, das den Schritt zum Stocken bringt – so dass man ansteht.

        Herzlich,
        Sandra

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