29. Januar

Paradoxerweise ist die Fähigkeit, allein zu sein, die Bedingung dafür, in der Lage zu sein, zu lieben. (Erich Fromm)

Menschen fliehen oft vor dem Alleinsein. Wie viele Beziehungen werden aufrecht erhalten, nur um nicht allein sein zu müssen. Im Alleinsein wäre man auf sich selbst zurückgeworfen. Man wäre mit sich konfrontiert und müsste sich dem stellen. Das macht vielen Menschen Angst. Und so suchen sie Ablenkung im Aussen, suchen Unterhaltung durch andere.

Die Flucht vor sich selber lässt den anderen zum Mittel zum Zweck werden: Er ist dazu da, mich vor mir selber zu schützen. Er soll mich so ablenken, dass ich mich nicht mit mir selber befassen muss. Liebe aber darf nie den anderen zum Mittel machen. Und: Liebe ist die Begegnung von Ich und Du. Was aber, wenn ich mich selber gar nicht kenne, weil ich mich nicht traue, hinzusehen? Womit begegne ich dann dem anderen? Trete dann wirklich ich als ich in Beziehung oder nur das, was ich von mir zeigen will, das, was ich als akzeptable Form meiner selbst anerkenne?

7 Kommentare zu „29. Januar

  1. DANKE für diesen Beitrag!
    Du sprichst mir mitten aus dem Herzen.
    Ich glaube, dass es für eine gelingende Beziehung immer zwei Menschen braucht, welche Selbstliebe leben und sich dadurch nicht als Objekte (miss)brauchen sondern sich als zwei Subjekte begegnen. Ich weiss um die Energie, die eingesetzt werden muss, um sich der ständigen Ausseinandersetzung mit sich selbst zu stellen, ich weiss aber auch, dass es sich lohnt.
    Mit liebem Gruss!
    samu ❤

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  2. Fromm hat wohl recht mit der Feststellung, doch lese ich es anders als du.

    Für die meisten Menschen geht es an erster Stelle, so meine ich, nicht ums Lieben, sondern ums Geliebtwerden. Sie haben als Kind nicht erfahren, was es heißt, geliebt zu werden als das, was sie sind. Sie haben daher ein ständiges quälendes Mangelgefühl (ich bin nicht gut genug…), das sie selbst nicht ausgleichen können. Sie hoffen, jemand werde sie dennoh lieben und ihnen damit über dies Mangelgefühl hinweghelfen. Wenn mich jemand trotz meiner Mängel liebt, mich liebt genau wie ich bin, dann ist das etwas Wunderbares, Staunenswertes, kaum Glaubhaftes, nie zuvor Erlebtes. Ein Mensch, der mich liebt, wie ich bin, macht mich erst reif für die Liebe und zugleich stark genug fürs Alleinsein.

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  3. Da gibt es von Shel Silverstein ‚The missing piece meets the big O.‘
    Das erklärt alles was man über Liebe oder besser: Zweisamkeit und Gemeinschaft wissen will.
    Wer sich selbst Angst hat zu begegnen, fühlt sich immer und auch mit anderen leer.

    Feiner Beitrag.
    Dank und Gruß

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