Was wir uns selber erzählen

Unser Geist steht nie still. Er denkt sich kreuz und quer durch die Zeiten, durch die Räume, springt vom einen zum anderen und dreht wieder um. Dabei benennt er die Dinge, die wir als Menschen sehen, erleben oder tun, er analysiert sie und er beurteilt sie. Und was er besonders gerne tut: Er analysiert und beurteilt uns selber – oder verurteilt uns gar.

Wie oft stehen wir vor dem Spiegel und sagen uns selber: „Deine Haare sassen auch schon besser und überhaupt: Wie siehst du heute wieder aus?“ Oder uns passiert ein Missgeschick und wir schimpfen innerlich „Du bist wirklich ungeschickt, ein richtiger Trampel.“ Vor einer Prüfung machen wir uns innerlich gerne selber Angst, indem wir denken, wir könnten es eh nicht und würden ganz doll scheitern. Die Reihe könnte unendlich weiter geführt werden, das Resultat wäre dasselbe: Wir sind nicht nett zu uns.

Keiner sagt, wir seien perfekt und ja, ab und an sitzen die Haare nicht, man tritt in ein Fettnäpfchen (oder mehrere) und auch Prüfungen können durchaus in die Hose gehen. Nur: Wieso sind wir so hart mit uns selber? Wieso schauen wir nicht in den Spiegel, wissen um die durchwachte Nacht und bürsten uns liebevoll die Haare? Wieso lachen wir nicht über unsere kleinen Fehler und nehmen sie als das, was sie sind: Menschlich? Wieso sprechen wir uns nicht Mut zu und glauben an uns?

Wäre es nicht schön, wenn wir einfach mal ein paar Dinge loslassen könnten in unserem Leben? Zum Beispiel:

  • Unsere Selbstzweifel
  • Unsere Ängste
  • Unseren inneren Kritiker
  • Unsere Boshaftigkeiten gegen uns selber
  • unsere überzogenen Ansprüche an uns selber
  • unsere Schuldgefühle (wenn man es nicht allen recht macht)
  • unsere Schamgefühle (beim Singen)
  • ….

Wenn das so einfach wäre? Ist es wohl nicht, aber heute könnte der Tag sein, damit anzufangen.

Übung:
Wenn du dich das nächste Mal dabei ertappst, wie du innerlich mit dir hart ins Gericht gehst, sag einfach STOPP (muss auch nicht laut in die Welt hinausgeschrien werden, die Reaktionen anderer könnten mitunter etwas verwirrt ausfallen).

Dann atme tief ein und lasse mit dem Ausatmen das Loszuwerdende bewusst aus. Ein paarmal wiederholen.

Überlege dir danach konkret, was dir in so einer Situation besser täte als die destruktiven Gedanken und Gefühle, die du soeben gestoppt hast.

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