Sehnsucht

„Wir wollen uns nie so ganz zu besitzen glauben, daß wir uns nicht noch nach einander sehnen müßten.“ (Christian Morgenstern)

Immanuel Kant sagte mal, Sehnsucht sei die Zeit zwischen dem Begehren von etwas und dessen Erreichen. Was so prosaisch klingt, hat durchaus seine Richtigkeit. Wenn ich etwas möchte, will ich es gleich. Und ist es noch nicht da, sehe ich mich danach, es zu erreichen. Und doch hat auch dieses Noch-nicht-Haben etwas für sich. Es ist so ein leises Ziehen in die Richtung des Ersehnten, eine leise Ahnung, wie wundervoll es wäre, es zu haben. Und doch hat man es nicht. Und es fehlt.
Würde man sich wirklich wünschen, alles immer schon zu haben? Wo bliebe das leise Ziehen in der Bauchgegend? Das leise Beben im Herzen beim Gedanken an das Erreichen? Wo bliebe die Vorfreude und wo der Tatendrang, was dafür zu tun, um zu erreichen? Wo wäre noch Leben?

„Nur wer die Sehnsucht kennt, weiss, was ich leide.“

So dichtete einst Goethe. Ich denke aber, dass einer noch mehr litte, kennte er keine Sehnsucht mehr. Und so streben wir nach dem Himmel, im Boden geerdet, sehnen uns nach den Dingen, die wir erreichen wollen, in der Hoffnung, dass wir es können. Und dafür brauchen wir die Bodenhaftung.

Ein Kommentar zu „Sehnsucht

  1. Vielen Dank, liebe Sandra, ein schönes Zitat von Morgenstern. Für mich ist darin auch das schöne Gefühl, einen Partner nicht zu besitzen, ihn nie ganz zu kennen um immer wieder Neues zu entdecken und die Sehnsucht zu spüren, neue Tiefen zu erfahren und zu spüren.
    Peter

    Gefällt 1 Person

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