Umgang mit Leid

(Buddhismus to go: Die vier edlen Wahrheiten)

Geht man nach dem Buddhismus, so bringt das Leben vor allem eines: Leiden. Das mag auf den ersten Blick gar pessimistisch und negativ klingen, ist aber gar nicht so gemeint. Und vor allem: Es gibt eine Lösung, wie mit diesem Leiden umzugehen:

Die vier edlen Wahrheiten
1. Leiden existiert
2. Leiden hat eine Ursache
3. Es gibt ein Ende des Leids
4. Es gibt einen Weg, das Leid zu beenden

Quasi ein Vier-Stufen-Weg hin zum leidfreien Zustand. Das klingt natürlich nun gar einfach und das ist es auch – und wieder nicht. Denn: Einen Weg muss man immer gehen. Und um ihn zu gehen, braucht es einen Rucksack mit dem richtigen Proviant. Hier ist es der achtfache Pfad. Er ist Weg und Proviant in einem. Er beinhaltet all die Zutaten, die wir brauchen, um uns vom Leid zu befreien.

Aber der Reihe nach:

Der erste Schritt ist, das Leid zu benennen und als solches zu akzeptieren. Es ist wie es ist: Wir leiden. Das können wir nun nicht sofort ändern. Indem wir das Leid als solches annehmen, verhindern wir aber, dass noch mehr Leid entsteht. Wir versinken nicht in Selbstmitleid (sehr leidvoll), hadern und schimpfen nicht auf das Schicksal (auch nicht wirklich erbaulich) und beschuldigen auch nicht unsere gesamte Umwelt, verantwortlich für unser Leid zu sein (Unsinn und bringt nichts). Wir sehen, dass da dieses Leid ist, wir schauen es genauer an. Und wir wissen:

Das Leid hat eine Ursache. Das ist der zweite Schritt. Martin Heidegger sagte einst den Satz vom Grund: Nichts ist ohne Grund. So auch unser Leiden nicht. Ohne die Ursache zu kennen, wird es schwer, das Leid zu beseitigen. Irgendetwas hat uns an diesen Punkt geführt, an dem wir heute sind. Das gilt es herauszufinden. Dann sind wir auf dem besten Weg, dann können wir hoffen und auch wissen:

Es gibt ein Ende des Leidens. Schritt Nummer drei. Was würde es bedeuten, frei von diesem Leid zu sein? Was müsste weg, wie wäre das Leben ohne dieses Leid? Man könnte die vier edlen Wahrheiten mit der Arbeit eines Arztes vergleichen. Maitreya hat das im Uttaratantra getan:

Genauso wie eine Krankheit diagnostiziert werden muss,
die Ursache beseitigt werden muss,
die Gesundheit wiederhergestellt werden muss,
und die Medizin eingenommen werden muss,
genauso müssen Leid, Ursachen des Leids,
die Beendigung des Leids und der Weg erkannt,
beseitigt, erlangt und befolgt werden.

Wir kommen also zu Schritt vier:

Es gibt einen Weg dahin. Und: Wir können ihn gehen. Es ist der edle achtfache Pfad, der sich zusammensetzt aus:

1. Rechter Ansicht: Die Erkenntnis, was wirklich ist, frei von Unwissen, Illusionen, Vorstellungen
2. Rechte Absicht: Den richtigen Motiven folgen
3. Rechte Rede: Angemessen und wahrhaftig sprechen
4. Rechts Handeln: Das Richtige tun, ethischen Grundsätzen und Werten folgend
5. Rechter Lebenserwerb: Nichts tun, das anderen schadet
6. Rechte Anstrengung: Sich auch wirklich ins Zeug legen, ohne sich zu überfordern (das richtige Mass wahren)
7. Rechte Achtsamkeit: Präsent sein im Hier und Jetzt, die Dinge bewusst tun
8. Rechte Konzentration: Sich auf das konzentrieren, was man tut

Das Leben wird uns sicher immer wieder Knüppel zwischen die Beine werfen, Leid lässt sich nicht vermeiden und wir haben die Vermeidung ganz oft auch nicht in der Hand. Was wir aber in der Hand haben, ist, wie wir darauf reagieren. Wir können uns so verhalten, dass wir nicht noch mehr Leid für uns und andere schaffen durch unangemessenes Verhalten. Dabei hilft uns dieser achtfache Pfad. Dafür müssen wir nicht mal Buddhisten sein, denn es sind Ratschläge, die sich in vielen Philosophien dieser Welt in einer ähnlichen Form finden. Es sind lebenspraktische Anweisungen, das Leben als ein gutes Leben zu leben.

 

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