Ich sein

„Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ (Schiller)

Wann haben wir verlernt, zu spielen? Wann wurde plötzlich alles ernst? Und: Ist wirklich alles ernst, müssen wir alles ernst nehmen? Wäre das Leben nicht ein wenig einfacher, wenn wir die Dinge auch mal leichter nehmen, sie mit Humor betrachten könnten? Wenn wir mal wieder wie ein Kind an die Dinge heran gehen und albern sein könnten?

Vielleicht trauen wir uns oft nicht, weil wir denken, das Gesicht zu verlieren oder uns lächerlich zu machen? Vielleicht ist uns das „Haltung bewahren“ und „einen guten Eindruck machen“ so sehr ins Blut gegangen, dass wir nicht mehr anders können? Oder aber wir denken, andere wollen uns ernst haben, könnten mit etwas anderem nicht umgehen?

Vielleicht könnten wir Goethe als Lehrmeister nehmen:

„Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein.“

Bei welchen Menschen kann ich ganz ich sein? Welche Menschen akzeptieren mich, wie ich bin? Räume ich diesen genug Zeit ein? Muss ich mich mit den anderen abgeben? Was bin ich ihnen „schuldig“ an Verhalten? Was würde passieren, wenn ich einfach auch da ich wäre? So wie ich bin?

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4 Kommentare zu „Ich sein

  1. Liebe Sunny, ich weiß nicht wie es bei dir geht, aber ohne ein Kind sein zu dürfen funktioniert meine Kunst gar nicht. Ich muss die spielerischen Elemente in meinem Alltag erhalten, egal ob kochen, zeichnen, schreiben oder fotografieren.

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    1. Ich finde das Spielerische wichtig. Schade ist ja, dass man das immer mit „Kind sein“ verbindet. Es klingt immer so, als wäre danach Spiel keine Option mehr. Nur stirbt doch mit dem Spielerischen so viel an Kreativtät, an Lebensfreude, an Probieren, an Neugier auch.

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  2. Liebe Sandra
    Vielen Dank für Deine, wie immer, anregenden Gedanken.
    Wenn es so ist, dass wir nur da ganz Mensch sein können, wo wir spielen, hat das enorme Konsequenzen, denn wir wollen ja immer und alle Mensch sein. Demzufolge müssen wir alles als Spiel ansehen. Als Lehrer spielen wir lehren, als Arzt spielen wir heilen, als Baumeister Hausbauen, als Mutter Kinder erziehen, als Journalist Geschichten schreiben und selbst Manager oder Wissenschaftler zu sein heisst – um es mit Humberto Maturana zu sagen – mit den jeweiligen Kohärenzen zu spielen. Üblicherweise ist Spielen eine Freizeitbeschäftigung oder etwas für Kinder und ist scharf zu trennen von Arbeit und den anderen Dingen aus der Büchse „Ernst des Lebens“. Aber wollen wir nur in der Freizeit oder als Kind ganz Mensch sein? Wenn nicht, müssen wir die zuversichtliche Leichtigkeit (wieder) erlernen, überall zu spielen, wo wir ganz Mensch sein wollen. Roger hat Kreativität als Fähigkeit, mit Farben, Formen und Beziehungen zu spielen definiert. Was darauf hindeutet, dass Spielen ganz zu unterscheiden ist von Vorspielen. Mensch sein, ganz Mensch sein, würde bedeuten, in möglichst jeder Phase seines Lebens authentisch zu spielen. Kriegen wir das hin?
    Herzliche Grüsse
    Peter

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    1. Lieber Peter
      Lieben Dank für deinen Kommentar. Spielen wir Lehrer, Arzt und Baumeister? Vielleicht sind wir es (unter anderem), gehen aber spielerisch und mit der immer wieder nötigen Neugier und einem wachen Blick an unsere Aufgaben? Aber ja, vielleicht ist das Sein dann ein Sein im Spiel. WIchtig erscheint mir dann die Abgrenzung – die du ja auch machst – zum Vorspielen. Das Spiel als Seinsweise, als Weise des Ich-Seins – so sehe ich das auch.

      Mit herzlichen Grüssen
      Sandra

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