29. März

„Inwendig lernt kein Mensch sein Innerstes
erkennen; denn er mißt nach eignem Maß
sich bald zu klein und leider oft zu groß.
Der Mensch erkennt sich nur im Menschen, nur
das Leben lehret jeden, was er sei.“ (Johann Wolfgang von Goethe)

Was die eigenen Muster und auch Macken angeht, sind wir oft betriebsblind. Wir laufen nach alt bewährtem und lange eingefahrenem Muster durchs Leben, stossen zwar immer wieder auf ähnliche Situationen, doch erkennen selten unseren eigenen Anteil. Weil wir es auch nicht wirklich wollen – wer gräbt schon gerne im eigenen Sumpf? Man könnte drin versinken.

Beziehungen halten uns da den Spiegel vor. Irgendwann können wir die Augen nicht mehr verschliessen, weil zu deutlich ist, was abläuft. Und: Es läuft nicht einfach ab, wir sind aktiv (?!) daran beteiligt. Nicht willentlich, aber doch agierend. Wenn wir hinschauen, wahrnehmen, in uns gehen und erkennen, was wir da tun, haben wir die Chance, etwas zu ändern. Dann können wir das Steuer in die Hand nehmen und uns so verhalten, wie wir es wirklich wollen, nicht nur so, wie wir es seit Jahren gewohnt sind aufgrund vergangener Prägungen.

3 Kommentare zu „29. März

  1. Goethe hat sich dem üblichen fragmentierenden Denken verweigert und ganzheitlich gedacht. Wenn der Mensch sich als isolierte Person betrachtet, dann erreicht er selbst dann nichts, wenn er nach innen geht. Das ist auch die Schwachstelle aller östlichen Philosophien und Techniken. Der Mensch ist ein Beziehungswesen, wenn er sich als isoliertes Ich betrachtet, schneidet er sich schon vom Leben ab, das sich in Dynamik und Beziehung abspielt.
    Leider ist unser westliches (Mainstream)Weltbild nicht geeignet, Dynamik und Lebendiges zu reflektieren. Und wie Goethe sagt, ist Innenschau allein dazu auch nicht fähig. Niemand ist eine isolierte Insel, wir lernen nur über Beziehungsmuster. Diese zu erkennen und dann einmal in so einer Beziehung aus Einsicht anders zu reagieren als gewohnt, das ist es, worauf es ankommt.
    Es gibt auch nur wenige Philosophen (Platon, Leibniz, Goethe, Whitehead), die sich der leidigen Ontologie des Seienden entzogen haben. Nichts Dingliches ist wirklich elementar, elementar sind Beziehung und Prozesse. Aber das ist eigentlich auch in der Quantentheorie schon so.

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