Das Leben leben

„Schlussendlich zählen nur drei Dinge: Wie gut wir gelebt haben. Wie gut wir geliebt haben. Wir gut wir gelernt haben, loszulassen.“ (Jack Kornfield)

Was ist ein gutes Leben? Wann können wir auf unser Leben schauen und sagen: Ja, es ist gut, wie es ist? Was brauchen wir dazu? Geld?

Wenn wir unsere Tage anschauen, sind die oft mehrheitlich mit Dingen gefüllt, die dazu dienen, etwas zu erreichen. Wir arbeiten, um Geld zu verdienen, gehen ins Fitnessstudio, um abzunehmen, gehen shoppen, um mehr Kleider zu haben und besser auszusehen, kaufen ein neues Auto, um mit dem Nachbarn mithalten zu können. Dafür schieben wir anderes auf die Seite: Wir besuchen den alten Onkel nicht, den wir immer so liebten, weil schlicht die Zeit fehlt, wir geniessen nicht den Sonnentag, weil wir uns auf dem Stepper abstrampeln müssen, wir spielen nicht mit den Kindern, weil wir Überzeit machen, die gut bezahlt wird.

Und dann ist der Onkel tot, die Kinder sind gross, draussen ist Nebelwetter und den Job verlieren wir wegen Reorganisation. Und nun? Sitzen wir nun da und denken: Aber wenigstens haben wir ein neues Auto und eine Traumfigur? Nein, sehr wahrscheinlich wird in uns Bedauern laut. Wir merken, was wir verpasst haben und klagen uns an. Leider hilft das wenig, im Gegenteil: Wir können die Uhr nicht zurückdrehen. Es gilt also, loszulassen, was war und nach vorne zu schauen. Wir haben einige Chancen verpasst, aber neue warten auf uns. Die sehen wir nur, wenn wir nicht an den verpassten hängen, sondern mit offenem Blick nach vorne schauen, mit dem Lehrstück aus der Vergangenheit im Hinterkopf. Und dann machen wir es besser. Wir haben jeden Tag die Chance, neu anzufangen. Wir haben jeden Tag die Möglichkeit zu sagen:

Heute beginnt der Rest meines Lebens. Ich will leben und lieben. Und irgendwann lasse ich los im Wissen, dass ich gut gelebt und von Herzen geliebt habe.

24. März

„Beginne damit, dich selbst zu prüfen, und noch mehr, ende damit.“ (Bernhard von Clairvaux)

Wo Menschen aufeinander treffen bleiben Konflikte oft nicht aus. Wie schnell sind wir dann dabei, dem anderen die Schuld in die Schuhe zu schieben? Weil er so war, wie er war, kam es dazu. Weil er sagte, tat, was er tat, konnten wir nicht friedlich sein. So denken wir im Rückblick. Das spitzt sich bei Beziehungen noch zu: Gehen sie in Brüche, sieht man den Hauptfehler gerne beim anderen – wir selber hätten ja gewollt.

Nur: Stimmt das wirklich? Machen wir es uns damit nicht zu einfach? Und mittellangfristig eigentlich schwerer? Wäre es nicht sinnvoller, in uns zu gehen und unseren Anteil an Streitereien und Konflikten zu suchen? Um in Zukunft besser aufzupassen und nicht immer wieder ähnliche Situationen zu provozieren?

Wir sind selten nur das Opfer, oft haben wir unseren Teil zu allem beigetragen – und sei es nur, dass wir in die Situation kamen und sie vielleicht zu lange geschehen liessen.

Den Alltag loslassen

 „Lerne loslassen, das ist der Schlüssel zum Glück.“ (Buddha)

Der Freitag ist der perfekte Tag, loslassen zu praktizieren.

Vielleicht war der Montag müde, der Dienstag regnerisch. Am Mittwoch stresste der Chef oder die Mitarbeiterin, am Donnerstag gehorchte der Hund nicht. Am Freitag spürst du zwar die Vorfreude, doch der ganze Stress der Woche sitzt dir noch im Nacken, belastet dich. Stets denkst du wieder zurück, denkst an deine Müdigkeit vom Montag, motzt innerlich über deinen Chef oder gar über dich selber. Immer wieder drehst du die ewig gleichen Probleme im Kopf – nur werden diese dadurch nicht besser. Sie lösen sich auch nicht in Wohlgefallen auf. Im Gegenteil: Sie bringen dich beim Denken daran immer wieder in die Stimmung zurück, in denen du dich zu den jeweiligen Zeitpunkten befunden hast.

Am Freitag Abend hast du zwei Möglichkeiten: Du kannst diese Gefühle und Stimmungen der Woche mit ins Wochenende nehmen, oder du kannst sie da lassen, wo sie hingehören: in der vergangen Woche. Du kannst am Wochenende weder die Müdigkeit des Montags noch das Verhalten des Chefs ändern, also nutze deine Chance: Gestalte dein Wochenende befreit von den vergangenen Gefühlen.

Taucht doch plötzlich ein inneres Grummeln auf oder du willst jemandem von deiner Woche erzählen und merkst, wie der ganze Ärger wieder hochkommt, sag dir innerlich:

„STOP. Das ist vorbei.“

Und sei wieder da, wo du gerade bist: In deinem Wochenende, in der Zeit, die du für dich gestalten kannst. Und wenn das am Wochenende klappt, können wir es vielleicht jeden Abend üben. Und dann bei jeder Gelegenheit, in der wir merken, dass wir in Gedanken feststecken.

#lebenskunst “tagesgedanken #quotes

 

 

23. März

„Glücklich ist also ein Leben in Übereinstimmung mit der eigenen Natur.“ Seneca

„Wenn ich nur ein wenig mehr wie mein Idol wäre, dann wäre ich glücklicher.“ Wer dachte nicht schon so ähnlich? Wer suchte sich nicht schon ein Vorbild und versuchte, diesem nachzueifern? Und ja, vielleicht gelingt es auch und wir leben unseren vermeintlichen Traum als Kopie unseres Idols. Nur haben wir so nicht nur kein Glück gefunden, wir haben etwas verloren: Uns selber. Und der Preis ist hoch, zu hoch.

Zudem, das Original ist nur so wertvoll, weil es eben ein Original ist und keine Kopie. Oscar Wilde sagte einst:

„Sei du selbst, denn alle anderen gibt es schon.“

Statt also eine schlechte Kopie eines anderen zu sein, könnten wir daran glauben, dass wir selber ein wertvolles Original sind. Und so leben, wie es uns entspricht. Dann stellt sich auch das Glück ein.

Den eigenen Kräften vertrauen

„Und niemand weiß, wie weit seine Kräfte gehen, bis er sie versucht hat.“ Johann Wolfgang von Goethe

Wie oft denken wir schon, dass wir etwas nicht schaffen werden, bevor wir es versuchen? Wäre es nicht besser, die Dinge zu wagen, sich zuzutrauen, dass wir die nötigen Kräfte schon aufbringen, wenn wir es nur wollen? Natürlich kann alles, was gelingen kann, auch misslingen, aber: Wenn wir es nicht versuchen, werden wir nie herausfinden, ob es hätte gelingen können. Das wäre eine verpasste Chance.

22. März

„Es ist nie zu spät, so zu sein, wie man es gerne gewesen wäre.“ (George Eliot)

Wenn ich am Ende meines Lebens zurückschaue: Was für ein Mensch möchte ich gewesen sein? Wie müsste ich gewesen sein, dass ich dann sagen kann: Ich war ein guter Mensch und ich habe ein gutes Leben geführt?

Wir müssen nicht so lange warten damit, der Mensch zu sein, der wir sein wollen. Wir müssen auch nicht so lange warten, um zu sehen, wie wir gerne gelebt hätten. Wir können heute aufwachen aus unserem eingefahrenen Lebenstramp und uns fragen: Lebe ich das Leben, das ich leben möchte? Ist es ein gutes Leben, eines, das mir und meinen Werten entspricht? Bin ich der Mensch, der ich gerne sein möchte? Was könnte ich tun, um noch mehr dieser Mensch zu sein? Und dann liegt es in unserer Verantwortung, das zu leben und zu sein.

Und irgendwann stehen wir dann am Ende unseres Lebens und können zufrieden sagen:

Das war MEIN Leben und es war ein gutes.

Erich Mühsam: Angst packt mich an

Erich Mühsam ( 1878 – 1934)

Angst packt mich an.
Denn ich ahne, es nahen Tage
Voll grosser Klage.
Komm du, komm her zu mir! –
Wenn die Blätter im Herbst ersterben,
Und sich die Flüsse trüber färben,
Und sich die Wolken ineinander schieben
Dann komm, du, komm!
Schütze mich –
Stütze mich –
Fass meine Hand an.
Hilf mir lieben!

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Projekt „Lyrische Helfer“ – Ein Gedichte, wenn man von Angst geplagt ist

Es ist nicht immer leicht, um Hilfe zu bitten, aber man kann und muss im Leben nicht alles alleine tragen. Oft fühlen wir uns klein und schämen uns unserer Nöte, aber: Hilfe anzunehmen hat nichts mit Schwäche zu tun, im Gegenteil.