Es lebe die Disziplin – oder: Ein selbstbestimmtes Leben leben

Einfach mal loslassen, dann wird das Leben leichter. Einfach mal Disziplin haben, dann erreichst du auch, was du willst. Einfach mal mit Liebe agieren, dann lieben dich auch die anderen und dir geht es gut. Einfach mal vergeben, was passiert ist, dann fühlst du dich gleich besser. Einfach mal….

Es gibt so viele gute Ratschläge und ja, sie haben alle recht. Man liest sie immer wieder, denkt bei sich, wie wahr sie sind. Und weiss es eigentlich. Und dann… kommt das Leben so real und man tut, was man immer tat und merkt hinterher: Mist, das wusste ich doch besser. Eigentlich.

Unser Leben findet ganz oft auf unbewussten Bahnen statt, indem wir reagieren, bevor wir eigentlich realisiert haben, was Sache ist. Das ist der Evolution geschuldet, wo es nicht förderlich war, lange zu überlegen, ob man nun als Gazelle davonrennen sollte, wenn ein Löwe kommt.

Einiges an Mustern kriegen wir schon durch die Gene mit, anderes lernen wir aus Erfahrung. Ganz selten reagieren wir direkt aus dem Moment heraus. Wir sind quasi eingefahren in vorgefrästen Spuren, die wir abspulen wie eine Schallplatte ihre Rillen hat, die dann von der Nadel verfolgt werden.

Nun sind wir nicht blöd und lesen und lernen, und merken, was uns gut tun würde. Und wir stimmen allen Theorien zu, propagieren sie oft gar… und merken dann im Leben, dass es nicht ganz so einfach ist. Ein Vorsatz ist schnell gefasst, ihn umzusetzen ist Knochenarbeit. Und ja, so geht es auch mir. Ich turne täglich mein Sportprogramm durch, im Wissen, dass ich mich danach besser fühle. Da ich dafür relativ früh aufstehen muss, um es vor meinem restlichen Tag durchzubringen (später hätte ich weder Zeit und noch weniger Lust dazu), gibt es jeden Morgen einen kurzen Moment, an dem ich (nicht wirklich positiv) innehalte und mich frage: „Muss das heute wirklich sein?“ Ich stelle mir die Frage nie ernsthaft, sondern stehe dann sofort auf und tue, was getan werden muss. Man nennt es Disziplin. Sie ist gross und wichtig und ich bin dankbar, sie zu haben. Gäbe es eine Tugend, die ich als fördernswert erachten würde, wäre es Disziplin. Mit ihr lässt sich eigentlich alles andere erreichen. Weil man durchbeisst.

Disziplin allein hilft aber nichts. Vor dieser steht die Frage:

Was will ich im Leben wirklich erreichen?

Und danach:

Welchen Preis kann und will ich dafür bezahlen?

Ganz oft ist der Preis, den wir bezahlen, viel zu hoch für das, was wir anstreben. Wie viele Frauen kauen lustlos auf geschmackslosen Salatblättern rum, um ja kein Gramm zuzunehmen? Und: Hätte je ein Mann sie von der Bettkante gestossen, nur weil der Bauch nicht nach innen, sondern nach aussen zeigte? Ich plädiere hier nicht für masslose Völlerei, sondern schlicht dafür, die eigenen Massstäbe mal zu hinterfragen.

Der Blick aufs eigene Leben ist wichtig und wertvoll: Was tue ich tagtäglich und was tue ich mir damit an? Tue ich mir was Gutes oder quäle ich mich ohne ersichtlichen Grund? Ein Leben, das nicht zu mehr Wohlgefühl führt, ist kein Leben sondern eine Plackerei. Schau also, was dir gut tut und tu es. Das heisst nicht, dass das immer einfach ist. Ab und an ist die Schokolade zuviel und der Salat wäre angemessener. Aber: Nur noch Salat kann kein Leben sein (und ja, ich liebe Salat, ich steh nicht so auf Süsses… und doch….).

Das Leben ist kein Ponyhof. Aber ab und an braucht es schlicht eine Selbstüberwindung. Man wird dafür mit einem guten Gefühl belohnt. Das lässt sich sogar chemisch messen mit gewissen Hormonen, die dann quasi im Dreivierteltakt tanzen und für Hochstimmung sorgen. Nur: Die Hochstimmung ist situativ und damit zeitlich begrenzt. Wichtig ist bei allem immer die Frage:

Ist der Preis, den ich dafür zahle, zu hoch?

Wenn auf mittlere und lange Frist die Lebensqualität leidet für ein kurzes Zwischenhoch, so berauschend es auch sein mag, ist er dies sicher. Dann befindet man sich im Grunde genommen auf der Stufe eines Süchtigen, der für einen selig machenden Schuss die Zukunft aufs Spiel setzt. Ob man das wirklich tun will, muss jeder selber entscheiden. Und ja, auch wenn man merkt, dass man es nicht will, ist der Weg, das zu ändern, nicht immer leicht.

Verhaltensänderungen sind immer schwer, brauchen Zeit, Geduld und Mut. Es sind oft Täler zu überwinden, kurzfristige Bestätigungen müssen ignoriert werden, Unangenehmes durchgezogen. Die gute Nachricht: Es ist möglich. Die schlechte: Keiner sagte, es sei leicht.

Umlernen ist ein Prozess. Das geht in Schritten:

  • Erkennen, was ist
  • Vergleichen, wie es in die eigenen Lebenseinstellungen passt
  • schauen, wie es wirklich passen würde
  • Wege finden, die Lücke zu schliessen
  • den Weg gehen
  • nach falschen Abbiegungen zurückkommen
  • weitergehen

Und das immer wieder neu. Und so stehe ich jeden Morgen auf, absolviere mein Sportprogramm, weil ich weiss, dass ich mich danach besser fühle. Zwar weiss ich das verstandesmässig schon beim Aufstehen, doch vom Gefühl her regiert noch die Bequemlichkeit und Trägheit. Da hilft nur eines: Augen zu und durch. Je länger ich das durchziehe, desto mehr wird es zur Gewohnheit, zu einer, die ich selber gewählt habe. Auf diese Weise werde ich zum Steuermann in meinem eigenen Leben und lasse mich nicht von unbewussten Gewohnheiten leiten.

Dinge erreichen, Gewohnheiten durch selbstgewählte ersetzen zu können gibt ein Gefühl der Selbstwirksamkeit und Zufriedenheit. Zudem wächst das Selbstvertrauen und die Motivation, weitere Ziele anzupacken und die Zuversicht, sie auch erreichen zu können.

Dem Leben Sinn geben

„Der Sinn des Lebens ist einfach nur leben.“ (Alan Watts)

Was ist der Sinn des Lebens? Diese Frage beschäftigt die Menschen seit vielen Jahren, ja, Jahrtausenden. Die Sinnfrage zielt immer auch ab auf die Bedeutung, die etwas hat – hier das Leben für sich und das Leben für den, der es lebt. Bedeutung aber hat nicht das Ding für sich, Bedeutung ist eine Zuschreibung durch den, welcher auf dieses schaut. Insofern hat das Leben an sich keinen Sinn. Wir sind es, die unserem Leben Sinn geben dadurch, dass wir es leben.

„Das Ziel des Lebens ist Selbstentfaltung. Seine eigene Natur vollkommen zu verwirklichen – dafür ist jeder von uns da.“ (Oscar Wilde)

Damit unser Leben für uns Sinn ergibt, Bedeutung hat, muss es unseren Werten entsprechen. Was ist für uns wichtig im Leben, wonach richten wir uns? Wenn wir es schaffen, das Leben so zu leben, dass es diesen unseren Wert-Massstäben entspricht, blicken wir auf unser Leben als ein sinnvolles.

An dem Punkt sind wir aber nicht schon fertig mit der Suche nach dem sinnvollen Leben, hier fangen wir erst an, denn: Was sind unsere Werte? Wofür stehen wir ein? Wonach streben wir? Wonach richten wir uns? Was genau wollen wir im Leben? Mit dieser Frage fängt alles an. Schon Seneca wusste:

„Wer nicht den Hafen kennt, in den er segeln will, für den ist kein Wind der richtige.“

Die Frage nach dem Sinn des Lebens fängt also bei dir selber an. Du musst herausfinden, was für dich wirklich wichtig ist im Leben, deine Wünsche. Aufgrund derer kannst du dann deine Ziele definieren. Erst dann wirst du den Weg finden, der dahin führt, wo du hin willst. Nun ist das Leben aber nicht ein Hüpfen von Ziel zu Ziel, sondern hauptsächlich besteht es durch den Weg von einem zum nächsten, die Ziele sind nur Meilensteine. Es gilt also, den Weg so lebenswert zu gestalten wie möglich, denn das schönste Ziel ersetzt nicht auf Dauer ein schlecht oder gar nicht gelebtes Leben.

Zwar meinte Nietzsche einst

„Der ein Wofür im Leben hat, kann fast jedes Wie ertragen.“

doch wir wissen, wohin das bei ihm geführt hat.

Was also können wir tun? Wie verleihen wir unserem Leben Sinn? Was brauchen wir dazu?

  1. Was ist dir wichtig im Leben? Welche Werte hältst du hoch? Finde heraus, was dir wirklich wichtig ist und was du nur von anderen übernommen hast oder denkst, tun zu müssen. Setze deine eigenen Massstäbe.
  2. Was sind deine Wünsche für dein Leben? Wo liegen deine Schwerpunkte? Lerne deine eigenen Träume kennen, setze deine eigenen Ziele.
  3. Wo sitzen deine Ängste? Ängste sind oft Stolpersteine, indem wir uns ausmalen, was alles schlechtes passieren kann. Wie kannst du lernen, mit deinen Ängsten so umzugehen, dass sie dich nicht behindern?
  4. Wo liegen deine Stärken und Fähigkeiten? Wie kannst du sie am besten nutzen auf deinem Weg zu deinen Zielen? Brauchst du Hilfe auf deinem Weg zum Ziel? Wo kannst du sie kriegen?
  5. Wofür bist du schon dankbar im Leben? Der Blick auf das Gute im Leben gibt Kraft, neue Herausforderungen.
  6. Was macht dir wirklich Spass? Wo vergisst du dich und tust einfach, was du tust? Tätigkeiten, die uns Freude machen, zeigen uns oft, wo unsere Stärken liegen, wo wir uns wohl fühlen. Wenn wir auf unserem Weg möglichst viel davon einbauen können, wird nicht nur der Weg zum Ziel angenehm, unser ganzes Wohlbefinden steigert sich und das Leben zeigt sich als lebenswert. Was gäbe einem Leben mehr Sinn?
  7. Was sind die kleinen Schritte? Ziele erscheinen oft gross und dadurch schwer erreichbar. Sie in kleine Schritte zu unterteilen, von denen man jeden feiern kann, macht den Weg überschaubarer und weniger überwältigend.
  8. Wie stehst du hinter dir? Glaube an dich und dein Ziel. Was wir denken, formt unsere Gefühle. Positive Gefühle steuern unser Verhalten, fördern konstruktives Verhalten.
  9. Wie viel Schnauf hast du? Rom wurde nicht an einem Tag erbaut, auch du brauchst Ausdauer, um ans Ziel zu kommen. Gib nicht gleich auf, wenn es mal harzig läuft. Erfolgsstrassen durchlaufen häufig Täler, häufig sind diese Schwellen zum nächsten Fortschritt.
  10. Am Ziel, was nun? Nach dem Ziel ist vor dem Ziel. Höre nicht auf zu träumen. Nimm dein Leben in die Hand und fülle es mit Sinn.

 

Umgang mit Leid

(Buddhismus to go: Die vier edlen Wahrheiten)

Geht man nach dem Buddhismus, so bringt das Leben vor allem eines: Leiden. Das mag auf den ersten Blick gar pessimistisch und negativ klingen, ist aber gar nicht so gemeint. Und vor allem: Es gibt eine Lösung, wie mit diesem Leiden umzugehen:

Die vier edlen Wahrheiten
1. Leiden existiert
2. Leiden hat eine Ursache
3. Es gibt ein Ende des Leids
4. Es gibt einen Weg, das Leid zu beenden

Quasi ein Vier-Stufen-Weg hin zum leidfreien Zustand. Das klingt natürlich nun gar einfach und das ist es auch – und wieder nicht. Denn: Einen Weg muss man immer gehen. Und um ihn zu gehen, braucht es einen Rucksack mit dem richtigen Proviant. Hier ist es der achtfache Pfad. Er ist Weg und Proviant in einem. Er beinhaltet all die Zutaten, die wir brauchen, um uns vom Leid zu befreien.

Aber der Reihe nach:

Der erste Schritt ist, das Leid zu benennen und als solches zu akzeptieren. Es ist wie es ist: Wir leiden. Das können wir nun nicht sofort ändern. Indem wir das Leid als solches annehmen, verhindern wir aber, dass noch mehr Leid entsteht. Wir versinken nicht in Selbstmitleid (sehr leidvoll), hadern und schimpfen nicht auf das Schicksal (auch nicht wirklich erbaulich) und beschuldigen auch nicht unsere gesamte Umwelt, verantwortlich für unser Leid zu sein (Unsinn und bringt nichts). Wir sehen, dass da dieses Leid ist, wir schauen es genauer an. Und wir wissen:

Das Leid hat eine Ursache. Das ist der zweite Schritt. Martin Heidegger sagte einst den Satz vom Grund: Nichts ist ohne Grund. So auch unser Leiden nicht. Ohne die Ursache zu kennen, wird es schwer, das Leid zu beseitigen. Irgendetwas hat uns an diesen Punkt geführt, an dem wir heute sind. Das gilt es herauszufinden. Dann sind wir auf dem besten Weg, dann können wir hoffen und auch wissen:

Es gibt ein Ende des Leidens. Schritt Nummer drei. Was würde es bedeuten, frei von diesem Leid zu sein? Was müsste weg, wie wäre das Leben ohne dieses Leid? Man könnte die vier edlen Wahrheiten mit der Arbeit eines Arztes vergleichen. Maitreya hat das im Uttaratantra getan:

Genauso wie eine Krankheit diagnostiziert werden muss,
die Ursache beseitigt werden muss,
die Gesundheit wiederhergestellt werden muss,
und die Medizin eingenommen werden muss,
genauso müssen Leid, Ursachen des Leids,
die Beendigung des Leids und der Weg erkannt,
beseitigt, erlangt und befolgt werden.

Wir kommen also zu Schritt vier:

Es gibt einen Weg dahin. Und: Wir können ihn gehen. Es ist der edle achtfache Pfad, der sich zusammensetzt aus:

1. Rechter Ansicht: Die Erkenntnis, was wirklich ist, frei von Unwissen, Illusionen, Vorstellungen
2. Rechte Absicht: Den richtigen Motiven folgen
3. Rechte Rede: Angemessen und wahrhaftig sprechen
4. Rechts Handeln: Das Richtige tun, ethischen Grundsätzen und Werten folgend
5. Rechter Lebenserwerb: Nichts tun, das anderen schadet
6. Rechte Anstrengung: Sich auch wirklich ins Zeug legen, ohne sich zu überfordern (das richtige Mass wahren)
7. Rechte Achtsamkeit: Präsent sein im Hier und Jetzt, die Dinge bewusst tun
8. Rechte Konzentration: Sich auf das konzentrieren, was man tut

Das Leben wird uns sicher immer wieder Knüppel zwischen die Beine werfen, Leid lässt sich nicht vermeiden und wir haben die Vermeidung ganz oft auch nicht in der Hand. Was wir aber in der Hand haben, ist, wie wir darauf reagieren. Wir können uns so verhalten, dass wir nicht noch mehr Leid für uns und andere schaffen durch unangemessenes Verhalten. Dabei hilft uns dieser achtfache Pfad. Dafür müssen wir nicht mal Buddhisten sein, denn es sind Ratschläge, die sich in vielen Philosophien dieser Welt in einer ähnlichen Form finden. Es sind lebenspraktische Anweisungen, das Leben als ein gutes Leben zu leben.

 

Ich bin mein Freund

In meiner Kindheit gab es diese Freundschaftsbändchen, die wir geknüpft und gezwirbelt haben. Wir drückten damit aus, dass wir jemanden mögen, dass wir sein Freund sind. Eine schöne Geste, wie ich finde. Ich hätte auch später ab und an ein solches Bändchen knüpfen sollen und es mir schenken, denn: Ich hätte mich als Freund brauchen können. Was tat ich stattdessen?

Immer wieder ertappte ich mich dabei, wie ich mit mir schimpfte. Die Gründe dafür waren vielfältig: Etwas klappte nicht, wie ich es gerne gehabt hätte, das Leben nahm einen anderen Lauf, als geplant, ich erfüllte meine eigenen Erwartungen nicht. Die Liste könnte endlos weiter gehen. Mit keinem anderen wäre ich so hart ins Gericht gegangen, wie mit mir, schon gar nicht mit einem Freund. Vielleicht hätte ich den sogar getröstet, ihn aufgebaut. Das machte ich mit mir kaum je, ich war oft gnadenlos.

Ich scholt mich nicht nur für den aktuellen Fehler, nein, ich packe gleich viele vorhergehende drauf, verallgemeinere die Misere und stempelte mich ab. Die Worte, innerlich gesprochen, waren wenig feinfühlend, schon gar nicht zurückhaltend, nein: Sie trafen direkt in die Eingeweide. Ich gab mir deutlich zu verstehen: Ich genügte (mir) nicht. Ich hatte versagt.

Dass es so nicht weiter gehen konnte, war irgendwann mehr als offensichtlich. Zwar knüpfte ich mir kein Band, doch ich wollte mir doch zum Freund werden. Der erste Schritt dazu war, genau hinzuschauen, was da immer nach dem gleichen Muster ablief.

Sicher ist: Es ist nicht immer alles toll, es gelingt auch nicht immer alles. Bei einigem hatte ich das Gelingen nicht mal selber in der Hand und scholt mich trotzdem. Nur: Wie soll aus einer solchen inneren Haltung heraus etwas Gutes entstehen? Worauf soll es fussen, woraus sich nähren? Statt mich aufzubauen, Boden zu schaffen, auf dem etwas entstehen kann, trat man nochmals nach. Wäre es nicht besser, mich liebevoll selber zu umarmen, statt noch hinterher zu treten? Wäre es nicht besser, mir zuzugestehen, dass ich mein Bestes gegeben hatte, mehr einfach nicht ging? Wäre es nicht besser, darauf zu vertrauen, dass es gut kommt, dass es kommt, wie es soll. frei nach dem Motto:

Am Ende wird alles gut. Und ist es noch nicht gut, ist es noch nicht das Ende.

Eine wichtige und dabei so banale Einsicht ist: Ich bin nicht perfekt. Und: Ich muss es auch nicht sein. Ich kann vieles nicht, weiss vieles nicht und das Leben nimmt oft einen Lauf, wie ich ihn vielleicht nicht geplant hätte – oder ich habe nicht mal einen Plan. Das ist schlimm genug, da brauche ich nicht noch innere Tiraden, die mich in eine Abwärtsspirale befördern. Was ich brauche, ist ein Freund. Ich brauche einen Freund, der mich mit all meinen Schwächen annimmt. Einer, der statt Schimpftiraden Lösungsstrategien ausdenkt. Einer, der nicht mit mir über die Vergangenheit hadert, sondern positiv in die Zukunft gehen will. Ein solcher Freund möchte ich mir sein. Schliesslich bin ich quasi mit mir verheiratet, bis dass der Tod uns scheidet. Und – wie heisst es so schön:

In guten wie in schlechten Zeiten.

Gerade in den etwas dunkleren Tagen ist es wichtig, Licht ins Dunkel zu bringen und nicht noch mehr Fenster zu verschliessen. Gerade, wenn nicht alles läuft wie geplant, ist es wichtig, an das Gute zu glauben, an sich selber zu glauben, und darauf zu vertrauen, dass es für alles Lösungen gibt, dass die Dinge kommen, wie sie kommen müssen. Das heisst nicht, dass wir ab sofort alles stehen und liegen lassen und abwarten können. Noch immer ist es an uns, unser Leben in die Hand zu nehmen und die Situationen, die sich zeigen, zu meistern. Aber: Wenn wir dann unser Bestes gegeben haben, war das alles, was möglich war. Mehr lag nicht drin. Wenn dann etwas doch nicht klappt, wie gewünscht, ist es hilfreicher und heilsamer, sich selber mitfühlend in den Arm zu nehmen und dann neue Wege zu suchen. Und wer weiss: Vielleicht war das heutige Misslingen irgendwann für etwas gut. Wie sagte schon Goethe:

Manches können wir nicht verstehen. Lebt nur fort, es wird schon gehen.

Der Tod als Chance fürs Leben

Wenn man mir einen Tag schenken würde, ich einfach tun könnte, was mir am Herzen liegt, ich danach sterben würde. Was täte ich? Ich stiess heute beim Schauen eines Films auf die Frage und überlegte. Und ja, vielleicht täte ich nicht mal wirklich etwas anderes, als ich es aktuell immer tue. Ich möchte die Zeit mit meinen liebsten Menschen verbringen, möchte lachen, essen, geniesen. Ich möchte lesen, diskutieren, den Sonnenuntergang anschauen. Möchte tanzen, Musik hören, auf meiner Gitarre spielen. Und ja, das sind keine spektakulären Dinge, es sind die kleinen Freuden des Alltags, für die ich dankbar bin, sie erleben zu dürfen. Weil sie mir genau so entsprechen. Aber es gab andere Zeiten in meinem Leben.

Ich steckte und stellte zurück, versuchte zu genügen, zu erfüllen, eigene und fremde Erwartungen. Ich war gefangen in einem Hamsterrad, Sklave eines eigenen Perfektionismus, dem ich nie entsprechen konnte. Die Messlatte war hoch. Zu hoch. Wenn ich was tat, musste es zu was gut sein. Kürzlich kaufte ich mir eine Gitarre und übe nun. Nur zur eigenen Freude. Was für eine Befreiung. Das würde ich an meinem letzten Tag auch tun wollen.

Aber es geht nicht nur mir so. Wie oft hörte ich schon in meinem Umfeld: „Wenn ich…. dann werde ich….Kaum einer hat es getan. Die einen sind gestorben, anderen entsprachen die so lange gehegten und erzählten Träume doch nicht wirklich.

Wenn man etwas wirklich will, von tief innen heraus, gibt es wohl nur eine richtige Zeit, sich den Traum zu erfüllen: Jetzt. Damit sage ich nicht, dass alles immer und überall möglich ist, die Frage ist bei vielem aber auch, wieso man davon träumt. Sind es wirklich tiefe Wünsche oder eher Phantasien, um etwas zu entkommen, das im Leben grad schwer ist?

Wieso träumen wir unsere Träume? Was steckt dahinter? Wirkliche Wünsche oder sind sie ein Zeichen für etwas in unserem Leben, das nicht passt? Wenn es wirkliche Wünsche sind, was hält uns ab, sie zu verwirklichen? Und: Hält uns wirklich was ab oder haben wir insgeheim doch Angst, weil sie Neues in unser Leben brächten, wie gewohnte Pfade verlassen müssten?

Wenn ich morgen sterben würde, wie lebte ich den heutigen Tag? Wir können viel vom Tod lernen, allem voran, wie wir leben wollen. Es heisst, die Angst vor dem Tod sei die grösste Angst überhaupt, sie stehe hinter allen anderen Ängsten, aber eigentlich ist der Tod auch ein Geschenk: Er zeigt, dass die Zeit hier auf Erden kostbar ist. Wenn wir ihn nicht verdrängen würden, so im Stil von „mir passiert das nicht“, würden wir bewusster mit der Zeit umgehen, die wir haben.

Noch ist es nicht zu spät. Wir alle können uns die Frage stellen, was wir an unserem letzten Tag tun würden. Und wir können es jetzt schon tun. Vielleicht nicht heute, aber sicher morgen oder am Wochenende. Oft gehört dazu auch, hinzuschauen, wovor wir Angst haben, denn ganz oft ist die Angst es, die uns im Wege steht, heute schon so zu leben, wie wir es tief drin gerne würden. Wir müssen nicht erst den Tod vor Augen haben, um unser Leben nach unseren Wünschen zu gestalten, wir müssen den Mut haben, es in die eigene Hand zu nehmen und herauszufinden, was wir wirklich wollen.

Was würdest du tun, wäre dies heute dein letzter Tag? Wann tust du es?

Lerncoaching

Lernen ist eigentlich eine Lebensform. Jeder Mensch kommt als lernendes Wesen zur Welt. Sieht man einen Säugling, wie er sich langsam aufrichtet, dann zu krabbeln und schliesslich zu laufen lernt, zeigt sich dies deutlich. Im Laufe der Zeit kann es aber dazu kommen, dass Menschen das Lernen verlernen. Die Gründe dafür können vielschichtig sein. Plötzlich steht man ein einem Punkt und will lernen, aber

  • man weiss nicht wie
  • es bleibt einfach nichts hängen
  • die Konzentration bleibt aus
  • man kann keine Motivation aufbringen
  • man leidet gar unter Prüfungsangst

Hier setze ich mit meinem Lerncoaching an. Grundsätzlich ist zu sagen, dass nicht jeder Mensch gleich ist und es darum auch nicht eine einzig richtige Art zu lernen gibt. Ich helfe dabei, Lernstrategien und – techniken zu entwickeln, die zum individuellen Lerntyp passen. Wichtig beim Lernprozess sind aber nicht nur die Technik und die Strategie, sondern auch Themen wie Motivation, Ausdauer, Zielsetzungen, Konzentration und die geeignete Umgebung.

Im Lerncoaching üben wir

  • sich selber Ausbildungsziele zu setzen
  • die Verantwortung über den eigenen Lernprozess zu übernehmen
  • innerhalb verschiedener Ziele Prioritäten zu setzen
  • die geeignete Lernmethoden für die individuellen Ziele zu finden
  • sich zu motivieren
  • Lernfortschritte zu kontrollieren und einzuordnen
  • besser mit Frustrationen im Bereich des Lernens und der Schule umzugehen
  • mit Stresssituationen umzugehen
  • mit Prüfungsangst umzugehen

Wichtig ist die Einsicht, dass man für das eigene Lernen selber verantwortlich ist. Das lässt und erfordert ein gutes Mass an Autonomie. Meine Aufgabe als Lerncoach ist es, den Lernenden auf dem Weg dahin zu begleiten. Zuerst finden wir heraus, was für ein Lerntyp der Lernende ist. So verschieden Menschen sind, so verschieden können auch die passenden Methoden sein, die zu ihnen und den selbst gesetzten Zielen passen. Danach geht es darum, die passenden Rahmenbedingungen zu schaffen:

Welche Lernumgebung fördert das eigene Lernen, wie um welche Zeit fällt lernen am leichtesten, wie viel Zeit braucht man, um ein Ziel zu erreichen und welches ist die passende Methode, dies zu tun? Aufgrund solcher Fragen kann der Lernende seinen persönlichen Lernweg definieren und hat auch ein Mittel in der Hand, die eigenen Fortschritte zu prüfen.

Ein Lerncoaching ist also nicht an Fachbereiche gebunden und hilft auch nicht, ein spezifisches Prüfungsthema zu bearbeiten, sondern es hilft dabei, Lernenden die Fähigkeiten in die Hand zu geben, ihren eigenen Lernweg zum persönlichen Ziel zu finden und zu gehen.

Da man im Leben nie auslernt, kann ein Lerncoaching in jedem Alter helfen.

Hier geht es zu meinem ANGEBOT

 

Achtsame Kommunikation: Was ist ein Philosophischer Dialog?

„Das grösste Problem in der Kommunikation ist die Illusion, sie hätte stattgefunden.“ (George Bernhard Shaw)

Wir reden den ganzen Tag viel und oft aneinander vorbei. Achtsame Kommunikation kann Beziehungen retten, das Verhältnis am Arbeitsplatz angenehmer und damit auch die Arbeit produktiver machen, das Leben mit sich allein und im Miteinander friedlicher gestalten.

Oft nutzen wir Gespräche nur zum Informationsaustausch. Ich habe etwas zu sagen, der andere soll es hören. Und meist bin ich davon überzeugt, dass meine Meinung, meine Information richtig ist. Ich will den anderen davon überzeugen. Dieser aber geht mit derselben Haltung daran. Er hat seine Meinung, die hält er entgegen. Im besten Fall teilen wir eine Meinung und nicken uns wohlwollend zu.

Wie viel ist uns entgangen. Wir haben nichts über den anderen erfahren, nichts über uns selber, keine neue Sicht dazugewonnen – wir stehen noch immer am selben Punkt wie vorher, es flossen nur ein paar Worte hin und her.

Ein wirklicher Dialog bringt mehr als blossen Austausch von Informationen. Er erfordert aber auch mehr. Ein wirklicher Dialog bedingt, dass wir einander begegnen – im wahrsten Sinne des Wortes. Wir lassen uns auf den anderen ein als der, welcher er ist. Wir nehmen ihn ernst und wissen uns selber auch ernst genommen. Wir sind offen dafür, was er zu sagen hat, setzen ihm nicht gleich unsere Sicht entgegen. Wir sind offen für seine Botschaft, aber auch dafür, was sie in uns auslöst. Beide kommentieren oder werten wir nicht gleich. Wir nehmen beides wahr. Und so lernen wir was über ihn und über uns. Und über die Welt, in der wir diesen Dialog führen.

Ein wirklicher Dialog hilft, unsere doch sehr begrenzte Sicht zu erweitern. Jeder Mensch hat nur eine begrenzte Sicht – auf sich und auf die Welt. Indem wir uns den anderen öffnen, können wir unsere Grenzen erweitern – und die der andern werden durch uns erweitert. Erst durch den anderen können wir überhaupt auch etwas über uns selber erfahren, denn: Die blindesten Flecken haben wir bei uns selber. Andere zeigen sie uns auf – weil wir durch sie uns selber besser wahrnehmen. Wir brauchen andere Menschen, ohne sie wären wir nichts, ganz sicher nicht lebensfähig.

Damit ein wirklicher Dialog gelingen kann, braucht es verschiedene Dinge:

  • die Hinwendung eines Menschen als Ganzes zum anderen als Ganzer
    • Begegnung auf Augenhöhe
    • die Bereitschaft, sich selber einzubringen
    • Authentizität in Wort und Gefühl
    • direkte Reaktion statt vorgefertigte Meinungen
    • Alle Themen und Meinungen dürfen thematisiert werden
    • Wirkliches Zuhören
    • Gegenseitiger Respekt
    • Offenheit
    • Verantwortung übernehmen
    • Gegenseitiges Lernen
    • Mitgefühl

Nur wenn wir uns auf Augenhöhe begegnen, als Mensch zu Mensch, wenn wir aktiv zuhören und präsent sind, offen bleiben gegenüber anderen Sichtweisen und Meinungen und nicht nur auf vorgefertigte Meinungen und Muster zurückgreifen, kann achtsame Kommunikation entstehen.

Ein wirklicher Dialog bringt mehr als blossen Austausch von Informationen. Wir sind offen für die Botschaft des anderen, aber auch dafür, was sie in uns auslöst. Und so lernen wir was über ihn und über uns. Und über die Welt, in der wir diesen Dialog führen. Indem wir uns den anderen öffnen, können wir unsere Grenzen erweitern – und die der andern werden durch uns erweitert.

Achtsame Kommunikation wird etwas verändern. Bei allen Beteiligten.

Zum Angebot: Achtsame Kommunikation