Achtsame Kommunikation – Der philosophische Dialog

„Das grösste Problem in der Kommunikation ist die Illusion, sie hätte stattgefunden.“ (George Bernhard Shaw)

Wir reden den ganzen Tag viel und oft aneinander vorbei. Achtsame Kommunikation kann Beziehungen retten, das Verhältnis am Arbeitsplatz angenehmer und damit auch die Arbeit produktiver machen, das Leben mit sich allein und im Miteinander friedlicher gestalten.

Ein wirklicher Dialog bringt mehr als blossen Austausch von Informationen. Ein wirklicher Dialog bedingt, dass wir einander begegnen – im wahrsten Sinne des Wortes. Dadurch lernen wir etwas über ihn und über uns. Und über die Welt, in der wir diesen Dialog führen.

Achtsame Kommunikation wird etwas verändern. Bei allen Beteiligten.

Termine:
Kurs 1: 13., 20., 27. August 10 – 11.30
Kurs 2: 15., 22., 29. August 18 – 19.30

Ort:
St. Gallen, Nähe Bahnhof

Anmeldung: HIER

Achtsame Kommunikation: Was ist ein Philosophischer Dialog?

„Das grösste Problem in der Kommunikation ist die Illusion, sie hätte stattgefunden.“ (George Bernhard Shaw)

Wir reden den ganzen Tag viel und oft aneinander vorbei. Achtsame Kommunikation kann Beziehungen retten, das Verhältnis am Arbeitsplatz angenehmer und damit auch die Arbeit produktiver machen, das Leben mit sich allein und im Miteinander friedlicher gestalten.

Oft nutzen wir Gespräche nur zum Informationsaustausch. Ich habe etwas zu sagen, der andere soll es hören. Und meist bin ich davon überzeugt, dass meine Meinung, meine Information richtig ist. Ich will den anderen davon überzeugen. Dieser aber geht mit derselben Haltung daran. Er hat seine Meinung, die hält er entgegen. Im besten Fall teilen wir eine Meinung und nicken uns wohlwollend zu.

Wie viel ist uns entgangen. Wir haben nichts über den anderen erfahren, nichts über uns selber, keine neue Sicht dazugewonnen – wir stehen noch immer am selben Punkt wie vorher, es flossen nur ein paar Worte hin und her.

Ein wirklicher Dialog bringt mehr als blossen Austausch von Informationen. Er erfordert aber auch mehr. Ein wirklicher Dialog bedingt, dass wir einander begegnen – im wahrsten Sinne des Wortes. Wir lassen uns auf den anderen ein als der, welcher er ist. Wir nehmen ihn ernst und wissen uns selber auch ernst genommen. Wir sind offen dafür, was er zu sagen hat, setzen ihm nicht gleich unsere Sicht entgegen. Wir sind offen für seine Botschaft, aber auch dafür, was sie in uns auslöst. Beide kommentieren oder werten wir nicht gleich. Wir nehmen beides wahr. Und so lernen wir was über ihn und über uns. Und über die Welt, in der wir diesen Dialog führen.

Ein wirklicher Dialog hilft, unsere doch sehr begrenzte Sicht zu erweitern. Jeder Mensch hat nur eine begrenzte Sicht – auf sich und auf die Welt. Indem wir uns den anderen öffnen, können wir unsere Grenzen erweitern – und die der andern werden durch uns erweitert. Erst durch den anderen können wir überhaupt auch etwas über uns selber erfahren, denn: Die blindesten Flecken haben wir bei uns selber. Andere zeigen sie uns auf – weil wir durch sie uns selber besser wahrnehmen. Wir brauchen andere Menschen, ohne sie wären wir nichts, ganz sicher nicht lebensfähig.

Damit ein wirklicher Dialog gelingen kann, braucht es verschiedene Dinge:

  • die Hinwendung eines Menschen als Ganzes zum anderen als Ganzer
    • Begegnung auf Augenhöhe
    • die Bereitschaft, sich selber einzubringen
    • Authentizität in Wort und Gefühl
    • direkte Reaktion statt vorgefertigte Meinungen
    • Alle Themen und Meinungen dürfen thematisiert werden
    • Wirkliches Zuhören
    • Gegenseitiger Respekt
    • Offenheit
    • Verantwortung übernehmen
    • Gegenseitiges Lernen
    • Mitgefühl

Nur wenn wir uns auf Augenhöhe begegnen, als Mensch zu Mensch, wenn wir aktiv zuhören und präsent sind, offen bleiben gegenüber anderen Sichtweisen und Meinungen und nicht nur auf vorgefertigte Meinungen und Muster zurückgreifen, kann achtsame Kommunikation entstehen.

Ein wirklicher Dialog bringt mehr als blossen Austausch von Informationen. Wir sind offen für die Botschaft des anderen, aber auch dafür, was sie in uns auslöst. Und so lernen wir was über ihn und über uns. Und über die Welt, in der wir diesen Dialog führen. Indem wir uns den anderen öffnen, können wir unsere Grenzen erweitern – und die der andern werden durch uns erweitert.

Achtsame Kommunikation wird etwas verändern. Bei allen Beteiligten.

Zum Angebot: Achtsame Kommunikation

Ich schaffe mir meine Welt

oder: Heute wird ein schöner Tag

Wenn wir durchs Leben gehen, nehmen wir uns wahr als den Mittelpunkt all unseren Seins und Denkens. Alles, was wir sehen, ist um uns, bei allem, was wir tun oder gedenken zu tun, denken wir uns als den, der es tut. Und, alles, was wir erleben, erleben wir, weil die Welt ist, wie sie ist, und sie als solche auf uns einwirkt.

Wenn uns jemand fragt „Wer bist du?“, nennen wir unseren Namen, den Beruf, unser Muttersein oder die Nationalität. Wir zählen Eigenschaften auf und Besitztümer, Wohnorte und Rollen. Wir definieren uns anhand von Kategorien und Merkmalen, die wir uns zuschreiben, von denen wir denken, sie entsprechen uns, sie machen uns gar aus. Ich bin das. Ich bin so.

Im Buddhismus lernen wir, dass dem nicht so ist. Erstens sind wir viel mehr, als wir denken zu sein. Unser Körper, das, was wir unser Leben und unser Ich nennen, sind nur die äusseren Merkmale von etwas viel Grösseren, das tief in uns ist. Und: Die Welt um uns, ist nicht einfach, wie sie ist. Sie wirkt nicht einfach als etwas absolut Feststehendes auf uns ein. Wir selber erschaffen die Welt um uns erst.

Wir sind, was wir denken.
Alles, was wir sind, entsteht aus unseren Gedanken.
Mit unseren Gedanken formen wir die Welt.

(Buddha)

Die Art, wie wir uns fühlen, die Art, wie wir die Welt ansehen, so wirkt sie auf uns zurück. Unvorstellbar? Aber: Die Erkenntnis ist wahrlich nicht neu, wir müssen nicht mal in den Osten reisen, sondern können auch in unseren Breitengraden in der Zeit zurückgehen. Schon Immanuel Kant sagte, dass die Gegenstände in der Welt nur als Reflex des Menschen auf diese erscheinen. Er sah die Wahrnehmung als Mischung von Sinneseindrücken und inneren Zuständen. Die Welt erscheint uns dabei immer so, wie WIR sie wahrnehmen. Kleist packte das in anschauliche Worte:

Wenn alle Menschen statt der Augen grüne Gläser hätten, so würden sie urtheilen müssen, die Gegenstände, welche sie dadurch erblicken, sind grün — und nie würden sie entscheiden können, ob ihr Auge ihnen die Dinge zeigt, wie sie sind, oder ob es nicht etwas zu ihnen hinzuthut, was nicht ihnen, sondern dem Auge gehört. So ist es mit dem Verstande. Wir können nicht entscheiden, ob das, was wir Wahrheit nennen, wahrhaft Wahrheit ist, oder ob es uns nur so scheint. Ist das letzte, so ist die Wahrheit, die wir hier sammeln, nach dem Tode nicht mehr — und alles Bestreben, ein Eigenthum sich zu erwerben, das uns auch in das Grab folgt, ist vergeblich —[1]

Wie wir die Welt sehen, hängt also von uns selber ab. Daraus nun zu schliessen, dass man dann nur eine rosarote Brille anziehen müsste und alles nur noch schön und ohne Schmerz sei, wäre zu kurz gegriffen. Schade, aber nicht schlimm, denn: Es bleibt ganz viel Gutes bestehen.

Wir können nicht alles steuern, was passiert auf dieser Welt. Ganz vieles, das nicht schön ist, das Schmerzen bereitet, können wir nicht ändern. Was wir aber ändern können, ist unsere Sicht auf die Dinge. Wir messen ihnen den Wert zu. Wir geben ihnen den Platz in unserem Leben. Es liegt an uns, woran wir uns reiben, worüber wir uns aufregen, was uns den Schlaf raubt, weil wir es immer und immer wieder im Kopf drehen. Wir haben es in der Hand, wie wir auf die Welt reagieren. Wir haben es auch in der Hand, ob wir nur die Müllablagerungen, grimmige Menschen und die zerzauste Frisur am Morgen im Spiegel sehen, oder aber die Blumen am Strassenrand, das Lächeln eines Kindes und das fröhliche Schwänzeln unseres Hundes. Je nachdem, wem oder was wir unsere Aufmerksamkeit schenken, wird das Fazit unseres Tages anders ausfallen.

Vielleicht beschliessen wir einfach mal schon am Morgen, dass es ein guter Tag wird? Vielleicht gehen wir mit offenen Augen durch den Tag und sagen uns innerlich immer, wenn etwas Schönes passiert:

Das ist schön.

Und vielleicht setzen wir uns am Abend mit einer Tasse Tee hin, lassen den Tag vor dem inneren Auge nochmals ablaufen und rufen uns all die schönen Dinge wieder ins Gemüt. Und vielleicht können wir uns dann sagen:

Das war ein schöner Tag.

______

[1] in einem Brief an seine Verlobte, Wilhelmine von Zenge

Achtsamkeit

  • Wir streben nach Schönheit, übersehen aber die Blume am Strassenrand.
  • Wir wollen hoch hinaus, wollen Erfolg, überhören aber ein einfaches Lob, wenn es ausgesprochen wird.
  • Wir streben nach Auszeichnungen, träumen von grossen Lobesreden, übersehen dabe das dankbare Lächeln eines Kindes.
  • Wir schauen zum Gipfel, sehen ihn als erstrebtes Ziel, und trampeln auf dem Weg dahin achtlos über Blumen, Gräser, durch Wälder und Dörfer.

Wir sehen, was wir alles wollen und nicht haben, jammern über all die verpassten Chancen und nicht zu erreichenden Ziele. Wir sehen, dass wir nur einen Bruchteil von allem haben, was es gibt, und übersehen dabei, was wir alles schon haben, das sogar richtig gut und wertvoll ist. Wir ignorieren, was wir schon geschafft haben, weil wir zu sehr damit beschäftigt sind, zu sehen, was wir noch wollen – oder denken zu müssen.

Was wir dabei übersehen: Wie privilegiert wir sind, uns diese Gedanken überhaupt machen zu können. Aber: Wir gehen mit dem Puls der Zeit:

Schneller, grösser, besser, mehr von allem.

Das Leben muss perfekt sein und wir an der Spitze stehen. Was uns das bringt, hinterfragen wir selten, wenn doch, fallen uns genügend sachliche Gründe ein, wieso es immer besser ist, mehr zu haben als weniger. Der naheliegenste: Andere haben es auch, wieso nicht wir selber? Wieso nicht alles haben wollen, was man haben könnte? Wieso sich mit weniger zufrieden geben (müssen), wenn mehr möglich sein könnte?

Würden wir genau hinsehen, wüssten wir, wie viel mehr wir schon hätten,

  • wenn wir die Blume am Wegesrand wahrnehmen und uns an ihr erfreuen knnten.
  • wenn wir das Lob hören würden, dass jemand aus Überzeugung spricht, und uns daran freuten.
  • wenn wir das dankbare Lächeln sehen und unser Herz sich erwärmte.
  • wenn wir achtsam durch kleine Strässchen und durch Wälder streiften und auf dem Gipfel einen ganzen Rucksack von Erfahrungen, Erlebnissen, Freuden dabei hätten. (Und selbst wenn wir den Gipfel nicht erreichten, könnte uns niemand den Weg dahin nehmen.)

Wir würden all das sehen, was wir haben, was gut ist in unserem Leben, und könnten uns daran freuen. Wir brauchten nicht mal viel für all das, nur ein wenig Achtsamkeit für das, was ist. Das bewusste Wahrnehmen des Hier und Jetzt statt des kopflosen Strebens nach dem, von dem wir uns vorstellen, dass es sein sollte.

Wie schön wäre es, wenn endlich Ruhe wäre? Wenn wir nicht mehr erreichen müssten, wenn wir nicht mehr uns vergleichen und dann AUCH haben müssten. Wenn wir die Achtsamkeit pflegen könnten und merkten: Endlich Ruhe. Und dann käme das zum Tragen, was schon Konfuzius sagte:

In der Ruhe liegt die Kraft.

Diese Kraft haben wir nicht mehr, da wir nicht zur Ruhe kommen. Wir sind ständig getrieben vom Streben nach mehr. Wir sind getrieben von Agenden, Zeitplänen, Forderungen von aussen und innen. Wir hören die innere Stimme, die sagt, dass wir unmöglich ruhen können, solange noch mehr möglich wäre. Wir gehorchen unseren Ängsten, die unken, dass wir untergehen, wenn wir nicht über unsere Kräfte und Grenzen hinausgehen. Wir haben tief in uns die Stimmen all derer aus der Vergangenheit, die Böses voraussagten, wenn wir nicht alles täten, was irgendwie möglich wäre (und sogar das Unmögliche versuchten). Und wir rennen in unserem Hamsterrad und versuchen zu erreichen, was von irgendjemandem als wert zu erreichen propagiert wird oder wurde.

Wir werden nie alles erreichen, was irgendwer auf dieser Welt erreicht hat. Ganz vieles wollten wir wohl gar nicht, sähen wir es nicht und es würde uns als ach so erstrebenswert propagiert. Und nach ganz vielem streben wir nur, weil wir es  aufgrund unserer Kultur, Erfahrungen, Prägungen und Muster als erreichenswert erachten. Das ist weit entfernt von einer objektiven Begründung, aber tief verwurzelt.

 

Schon früh hiess es in der Philosophie:

Erkenne dich selbst.

Es führt ein Weg dahin. Im Yoga führt er durch diverse Schichten, von aussen nach innen, quer durch alle Schichten unseres Daseins (Koshas). Yoga ist aber nicht die einzige Methode, diesen Weg zu gehen, man kennt ihn in allen Philosphien und zu allen Zeiten. Wichtig ist immer, nach innen zu gehen, hinzusehen, den wirklichen Kern zu ergründen. Worauf basieren unsere Meinungen, unsere Reaktionen, unser Denken, unser Sein? Ziel ist es, unseren Geist zu erkennen, zu erkennen, wie er funktioniert und worauf unser Handeln und Streben gründet. Wenn wir das erkannt haben, sehen wir auch, dass es genau dieses Streben ist, das uns wirkliches Leid bringt.

Dieses Leid liegt nicht darin begründet, dass wir nicht Millionen auf dem Konto haben, erfolgreiche Manager sind oder Modelmasse besitzen. Das Leid liegt darin, dass wir uns mit ganz vielen anderen vergleichen und uns selber dabei verlieren. Wir hoffen, endlich gut zu sein, wenn wir wären, wie andere sind. Dass wir nur sehen, was diese uns nach aussen preisgeben, blenden wir gerne aus. Wir wollen in ihnen sehen, was uns bei uns fehlt.

Wir werden nie jemand anders sein. Und: Jeder andere ist genauso Mensch wie wir selber. Und jeder (!) hat mit sich zu kämpfen. Zudem: Nur weil einer etwas tut oder hat und es ihm dabei gut geht, heisst nicht, dass das bei uns ebenso sein würde. In der Bhagavad Gita steht sogar sinngemäss, dass es besser ist, das, was einem selber bestimmt ist, wenig erfolgreich zu leben, als das Leben eines anderen zu leben (Dharma).

Es bringt nichts, ständig etwas nachzurennen. Das heisst nicht, dass wir keine Ziele im Leben haben sollen, aber: Wenn wir nie sehen, was wir schon haben, wird alles, was wir erreichen (könnten), das nicht ändern, weil es auf dieser Welt so vieles gibt, was man noch nicht hat. Und erst, wenn wir das erkannt haben, kann Ruhe einkehren – und das Hamsterrad kann anhalten. Aus dieser Ruhe heraus finden wir dann auch die Kraft, die Ziele zu erreichen, die wirklich unsere sind – und werden so zu dem, der wir sind und sein können. Dann sind wir das Original und keine Kopie.