29. März

„Inwendig lernt kein Mensch sein Innerstes
erkennen; denn er mißt nach eignem Maß
sich bald zu klein und leider oft zu groß.
Der Mensch erkennt sich nur im Menschen, nur
das Leben lehret jeden, was er sei.“ (Johann Wolfgang von Goethe)

Was die eigenen Muster und auch Macken angeht, sind wir oft betriebsblind. Wir laufen nach alt bewährtem und lange eingefahrenem Muster durchs Leben, stossen zwar immer wieder auf ähnliche Situationen, doch erkennen selten unseren eigenen Anteil. Weil wir es auch nicht wirklich wollen – wer gräbt schon gerne im eigenen Sumpf? Man könnte drin versinken.

Beziehungen halten uns da den Spiegel vor. Irgendwann können wir die Augen nicht mehr verschliessen, weil zu deutlich ist, was abläuft. Und: Es läuft nicht einfach ab, wir sind aktiv (?!) daran beteiligt. Nicht willentlich, aber doch agierend. Wenn wir hinschauen, wahrnehmen, in uns gehen und erkennen, was wir da tun, haben wir die Chance, etwas zu ändern. Dann können wir das Steuer in die Hand nehmen und uns so verhalten, wie wir es wirklich wollen, nicht nur so, wie wir es seit Jahren gewohnt sind aufgrund vergangener Prägungen.

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Das Leben leben

„Schlussendlich zählen nur drei Dinge: Wie gut wir gelebt haben. Wie gut wir geliebt haben. Wir gut wir gelernt haben, loszulassen.“ (Jack Kornfield)

Was ist ein gutes Leben? Wann können wir auf unser Leben schauen und sagen: Ja, es ist gut, wie es ist? Was brauchen wir dazu? Geld?

Wenn wir unsere Tage anschauen, sind die oft mehrheitlich mit Dingen gefüllt, die dazu dienen, etwas zu erreichen. Wir arbeiten, um Geld zu verdienen, gehen ins Fitnessstudio, um abzunehmen, gehen shoppen, um mehr Kleider zu haben und besser auszusehen, kaufen ein neues Auto, um mit dem Nachbarn mithalten zu können. Dafür schieben wir anderes auf die Seite: Wir besuchen den alten Onkel nicht, den wir immer so liebten, weil schlicht die Zeit fehlt, wir geniessen nicht den Sonnentag, weil wir uns auf dem Stepper abstrampeln müssen, wir spielen nicht mit den Kindern, weil wir Überzeit machen, die gut bezahlt wird.

Und dann ist der Onkel tot, die Kinder sind gross, draussen ist Nebelwetter und den Job verlieren wir wegen Reorganisation. Und nun? Sitzen wir nun da und denken: Aber wenigstens haben wir ein neues Auto und eine Traumfigur? Nein, sehr wahrscheinlich wird in uns Bedauern laut. Wir merken, was wir verpasst haben und klagen uns an. Leider hilft das wenig, im Gegenteil: Wir können die Uhr nicht zurückdrehen. Es gilt also, loszulassen, was war und nach vorne zu schauen. Wir haben einige Chancen verpasst, aber neue warten auf uns. Die sehen wir nur, wenn wir nicht an den verpassten hängen, sondern mit offenem Blick nach vorne schauen, mit dem Lehrstück aus der Vergangenheit im Hinterkopf. Und dann machen wir es besser. Wir haben jeden Tag die Chance, neu anzufangen. Wir haben jeden Tag die Möglichkeit zu sagen:

Heute beginnt der Rest meines Lebens. Ich will leben und lieben. Und irgendwann lasse ich los im Wissen, dass ich gut gelebt und von Herzen geliebt habe.

Den Alltag loslassen

 „Lerne loslassen, das ist der Schlüssel zum Glück.“ (Buddha)

Der Freitag ist der perfekte Tag, loslassen zu praktizieren.

Vielleicht war der Montag müde, der Dienstag regnerisch. Am Mittwoch stresste der Chef oder die Mitarbeiterin, am Donnerstag gehorchte der Hund nicht. Am Freitag spürst du zwar die Vorfreude, doch der ganze Stress der Woche sitzt dir noch im Nacken, belastet dich. Stets denkst du wieder zurück, denkst an deine Müdigkeit vom Montag, motzt innerlich über deinen Chef oder gar über dich selber. Immer wieder drehst du die ewig gleichen Probleme im Kopf – nur werden diese dadurch nicht besser. Sie lösen sich auch nicht in Wohlgefallen auf. Im Gegenteil: Sie bringen dich beim Denken daran immer wieder in die Stimmung zurück, in denen du dich zu den jeweiligen Zeitpunkten befunden hast.

Am Freitag Abend hast du zwei Möglichkeiten: Du kannst diese Gefühle und Stimmungen der Woche mit ins Wochenende nehmen, oder du kannst sie da lassen, wo sie hingehören: in der vergangen Woche. Du kannst am Wochenende weder die Müdigkeit des Montags noch das Verhalten des Chefs ändern, also nutze deine Chance: Gestalte dein Wochenende befreit von den vergangenen Gefühlen.

Taucht doch plötzlich ein inneres Grummeln auf oder du willst jemandem von deiner Woche erzählen und merkst, wie der ganze Ärger wieder hochkommt, sag dir innerlich:

„STOP. Das ist vorbei.“

Und sei wieder da, wo du gerade bist: In deinem Wochenende, in der Zeit, die du für dich gestalten kannst. Und wenn das am Wochenende klappt, können wir es vielleicht jeden Abend üben. Und dann bei jeder Gelegenheit, in der wir merken, dass wir in Gedanken feststecken.

#lebenskunst “tagesgedanken #quotes

 

 

Den eigenen Kräften vertrauen

„Und niemand weiß, wie weit seine Kräfte gehen, bis er sie versucht hat.“ Johann Wolfgang von Goethe

Wie oft denken wir schon, dass wir etwas nicht schaffen werden, bevor wir es versuchen? Wäre es nicht besser, die Dinge zu wagen, sich zuzutrauen, dass wir die nötigen Kräfte schon aufbringen, wenn wir es nur wollen? Natürlich kann alles, was gelingen kann, auch misslingen, aber: Wenn wir es nicht versuchen, werden wir nie herausfinden, ob es hätte gelingen können. Das wäre eine verpasste Chance.

20. März

„1. Was kann ich wissen?
2. Was soll ich tun?
3. Was darf ich hoffen?
4. Was ist der Mensch?“ (Immanuel Kant)

Wenn wir durchs Leben gehen, neigen wir dazu, alles zu bewerten und zu beurteilen. Wir teilen ein in gute und schlechte Dinge, richtiges und falsches Verhalten, schön und hässlich, nett und unfreundlich. Wir bestimmen, mit wem und was wir uns umgeben wollen und wen oder was wir lieber meiden. Oft schiessen wir mit solchen Urteilen auch zu schnell heraus – teilweise bereuen wir das später. Es kann durchaus helfen, uns ab und an selber zu hinterfragen, bevor wir wieder einmal urteilen wollen:

Was weiss ich überhaupt wirklich über den Menschen oder die Situation? Steht mir ein Urteil zu? Was ist das Verhalten, das ich mir wünschen würde von dem Menschen, der ich sein möchte? Und schliesslich: Worauf kann ich im Leben hoffen und welche Hoffnungen führen nur zu falschen Erwartungen und damit zu Enttäuschungen?

Bei all diesen Fragen hilft es immer auch wieder darüber nachzudenken, was es überhaupt heisst, Mensch zu sein, denn: (Unser) Menschsein ist die Basis für alles andere, das aus ihm erwächst.

19. März

„Wer einmal zu sich selbst gefunden hat, der kann nichts auf dieser Welt mehr verlieren.“ (Stefan Zweig)

Es gibt unzählige Geschichten davon, wie Menschen in die Welt zogen, um Glück oder Reichtum zu finden, und erst spät merkten, dass beides schon immer da war. Wie oft suchen wir unser Glück in Dingen? Wie oft denken wir, dass wir nur noch dies oder jenes haben müssten, um dann glücklich zu sein? Und wie oft fürchten wir, etwas zu verlieren, was uns lieb und teuer ist, so dass wir kaum geniessen können, es zu haben?

So lange wir uns an äussere und vergängliche Dinge hängen (und unser Körper und das Leben an sich gehören ebenfalls dazu) verschliessen wir uns selber den Weg zu wahrem Glück. Das Glück ist immer da, es liegt in uns selber. Tauchen wir also ein und finden es. Was könnte uns dann noch etwas anhaben? Wer könnte uns noch etwas nehmen?

18. März

„Irgendwo in uns ist die Kraft, die Welt zu verändern.“ (Roald Dahl)

Wenn dir die Welt, wie sie ist, nicht gefällt, ändere dich. Das mag auf den ersten Blick paradox klingen, ist es aber nicht.

Veränderungen beginnen immer bei uns selber. Oft missfällt uns im Aussen das, was auch in uns selber steckt, nur sehen wir es bei uns oft nicht. Wenn wir das mal erkannt haben, können wir daran arbeiten, es zu verändern. Wir können in uns das stärken, was uns hilft, der Mensch zu werden, der wir sein wollen. Auch ist es an uns, all das, was wir in der Welt sehen wollen, in die Welt zu bringen.

Wir wollen in einer Welt leben, in der Mitgefühl und Liebe gelebt werden? Leben wir es selber.