Wer bin ich? Schreibend zu mehr Selbsterkenntnis

Tagtäglich erzählen wir uns unsere Geschichte und bauen darauf unsere Identität auf. Wenn wir genauer hinschauen, merken wir, dass das, was wir uns erzählen, keinesfalls die ganze Wahrheit ist, sondern es sich dabei um Ausschnitte handeln, die wir teilweise sogar unbewusst auswählen.

Schreibend kommen wir unseren Geschichten auf die Schliche, können sie durchleuchten und uns so besser kennenlernen. Vor allem in schwierigen Zeiten kann das hilfreich sein, weil man durch das bewusste Ausloten erkennt, dass man die eigene Geschichte auch anders erzählen könnte – und daraus fürs Hier und Jetzt neue Kraft gewinnen durch die neue Perspektive.

Termine:
Kurs 1: 8., 15., 22. April 10 – 11.30
Kurs 2: 27.Mai, 3., 10. Juni 18 – 19.30

Ort:
St. Gallen, Nähe Bahnhof

Anmeldung: HIER

Der Wunsch, geliebt zu werden

Wir alle wollen geliebt werden. Und oft wurde uns vermittelt, dass wir etwas zu leisten hätten, auf eine gewisse Art zu sein hätten, damit man uns liebt. Und so versuchen wir dann, so zu sein, wie wir sein sollen. Manchmal sind wir dann ziemlich weit von dem entfernt, wer wir selber sind oder wären, wir hoffen aber, dadurch liebenswerter zu werden – weil wir ja die Vorgaben erfüllen. Nur: Sehr oft gelingt das nicht, denn solche Scheinidentitäten wirken so, wie sie sind: Aufgesetzt, nicht authentisch.

Bei Lichte betrachtet, ist es auch nicht wirklich liebenswert, aus purem Opportunismus etwas vorzuspielen, was gar nicht stimmt. Das ist in dem Falle aber oft egal, denn: Der Zweck heiligt die Mittel. So belassen es manche dabei und fahren vordergründig gut. Zwar werden sie nicht wirklich geliebt, aber sie haben Erfolg. Das deckt eine Zeit lang die Ur-Sehnsucht nach Liebe, dient quasi als Ersatz. Bleibt der Erfolg aber aus, wird es eng. Sie fangen an, sich und das Leben zu hinterfragen.

Andere fahren von Anfang an nicht gut und hinterfragen gleich. Und da treffen sich dann beide wieder: Sie wollen was ändern. Sie finden dazu auch genügend Theorien, wie das funktionieren könnte: Buddhismus, Yoga, Tantra, Achtsamkeitsmeditationen, Religionen, psychologische Ratgeber – irgendwas passt bestimmt und das nimmt man dann. Man gibt sich ganz rein, fühlt sich bald als Experte und wandelt fortan auf geläuterten Spuren. Im Yogaraum schwebt man fast über der Matte, fühlt sich schon erleuchtet, Malas und Götterstatuen zieren Hals und Haus, buddhistische Mantras ersetzen die Morgenzeitung und Abendgebete die Tagesschau. Nur: So im wirklichen Leben kommt oft wenig davon an. Bei der Umsetzung helfen weder Bücherwissen noch Altar, sondern nur eines:

Erkenne dich selbst und werde, der du bist!

Nicht Leistungsdenken führt zur Zufriedenheit, sondern die Tiefe Einsicht in das eigene Sein, das Wissen darum, dass tief drin ein Kern ist, der liebenswert ist, weil er echt ist.

Es braucht ab und an Mut, sich selber zu sein. Man kennt sich zu gut, kennt so viele Schwächen, nennt die gar Fehler, fürchtet, damit an- und abzustossen. Aber es ist alles, was wir haben. Und wir sind erst dann ganz, wenn wir uns mit all diesen Fehlern annehmen und selber lieben. Und vielleicht hilft es, wenn wir mal genauer hinschauen: Sind es bei anderen Menschen nicht oft auch die Eigenheiten, die Schrulligkeiten, die sie liebenswert machen? Lieben wir wirklich perfekte Menschen oder aber Menschen, die authentisch sind, die auch mal Schwächen zeigen, die einfach in der ganzen Bedeutung des Wortes Mensch sind?

Wenn uns also wieder mal jemand nur liebenswert findet, wenn wir tun was er will und sind, wie er will, sollten wir uns selber genug wert sein, auf den Menschen zu verzichten. Wirkliche Liebe wird da nie zu erwarten sein. Wirkliche Liebe sitzt tief und zielt auch in die Tiefe. Zum Kern.

Wir leben in einer leistungsorientierten Welt und wenn wir in ihr bestehen wollen, sind Leistungen in gewissen Bereichen durchaus wichtig und nötig. Nur sollten sie nie dazu vollbracht werden, um geliebt zu werden. Wie schön ist doch das Gefühl, zu wissen: Ich werde geliebt. Weil ich bin. Und weil ich bin, wie ich bin. Als ich. Und wie schön ist das Gefühl, genau so lieben zu dürfen. Einen Menschen. Weil er ist. Und ist, wie er ist. Als du.