24. März

„Beginne damit, dich selbst zu prüfen, und noch mehr, ende damit.“ (Bernhard von Clairvaux)

Wo Menschen aufeinander treffen bleiben Konflikte oft nicht aus. Wie schnell sind wir dann dabei, dem anderen die Schuld in die Schuhe zu schieben? Weil er so war, wie er war, kam es dazu. Weil er sagte, tat, was er tat, konnten wir nicht friedlich sein. So denken wir im Rückblick. Das spitzt sich bei Beziehungen noch zu: Gehen sie in Brüche, sieht man den Hauptfehler gerne beim anderen – wir selber hätten ja gewollt.

Nur: Stimmt das wirklich? Machen wir es uns damit nicht zu einfach? Und mittellangfristig eigentlich schwerer? Wäre es nicht sinnvoller, in uns zu gehen und unseren Anteil an Streitereien und Konflikten zu suchen? Um in Zukunft besser aufzupassen und nicht immer wieder ähnliche Situationen zu provozieren?

Wir sind selten nur das Opfer, oft haben wir unseren Teil zu allem beigetragen – und sei es nur, dass wir in die Situation kamen und sie vielleicht zu lange geschehen liessen.

Den Alltag loslassen

 „Lerne loslassen, das ist der Schlüssel zum Glück.“ (Buddha)

Der Freitag ist der perfekte Tag, loslassen zu praktizieren.

Vielleicht war der Montag müde, der Dienstag regnerisch. Am Mittwoch stresste der Chef oder die Mitarbeiterin, am Donnerstag gehorchte der Hund nicht. Am Freitag spürst du zwar die Vorfreude, doch der ganze Stress der Woche sitzt dir noch im Nacken, belastet dich. Stets denkst du wieder zurück, denkst an deine Müdigkeit vom Montag, motzt innerlich über deinen Chef oder gar über dich selber. Immer wieder drehst du die ewig gleichen Probleme im Kopf – nur werden diese dadurch nicht besser. Sie lösen sich auch nicht in Wohlgefallen auf. Im Gegenteil: Sie bringen dich beim Denken daran immer wieder in die Stimmung zurück, in denen du dich zu den jeweiligen Zeitpunkten befunden hast.

Am Freitag Abend hast du zwei Möglichkeiten: Du kannst diese Gefühle und Stimmungen der Woche mit ins Wochenende nehmen, oder du kannst sie da lassen, wo sie hingehören: in der vergangen Woche. Du kannst am Wochenende weder die Müdigkeit des Montags noch das Verhalten des Chefs ändern, also nutze deine Chance: Gestalte dein Wochenende befreit von den vergangenen Gefühlen.

Taucht doch plötzlich ein inneres Grummeln auf oder du willst jemandem von deiner Woche erzählen und merkst, wie der ganze Ärger wieder hochkommt, sag dir innerlich:

„STOP. Das ist vorbei.“

Und sei wieder da, wo du gerade bist: In deinem Wochenende, in der Zeit, die du für dich gestalten kannst. Und wenn das am Wochenende klappt, können wir es vielleicht jeden Abend üben. Und dann bei jeder Gelegenheit, in der wir merken, dass wir in Gedanken feststecken.

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23. März

„Glücklich ist also ein Leben in Übereinstimmung mit der eigenen Natur.“ Seneca

„Wenn ich nur ein wenig mehr wie mein Idol wäre, dann wäre ich glücklicher.“ Wer dachte nicht schon so ähnlich? Wer suchte sich nicht schon ein Vorbild und versuchte, diesem nachzueifern? Und ja, vielleicht gelingt es auch und wir leben unseren vermeintlichen Traum als Kopie unseres Idols. Nur haben wir so nicht nur kein Glück gefunden, wir haben etwas verloren: Uns selber. Und der Preis ist hoch, zu hoch.

Zudem, das Original ist nur so wertvoll, weil es eben ein Original ist und keine Kopie. Oscar Wilde sagte einst:

„Sei du selbst, denn alle anderen gibt es schon.“

Statt also eine schlechte Kopie eines anderen zu sein, könnten wir daran glauben, dass wir selber ein wertvolles Original sind. Und so leben, wie es uns entspricht. Dann stellt sich auch das Glück ein.

21. März

„Es wird niemand zum Menschen, der nicht zuerst zu einer tiefen Selbsterfahrung gekommen ist, in der er sich über sich selbst klar wird, sich ein eigenes Urteil bildet und so auf gewisse Weise seine Bestimmung und sein Leben in die Hand nimmt.“ (Giacomo Leopardi)

Wenn wir auf die Welt kommen, sagen uns erst die Eltern, was wir zu tun haben, später der Lehrer, dann der Chef. Und wenn keiner etwas sagt, hören wir oft noch Stimmen von früher, die uns eintrichtern, was gut ist, was nicht, was von uns erwartet wird, wo wir anders zu sein hätten, um den vordefinierten Normen zu entsprechen, um als normales Mitglied in der Gesellschaft zu funktionieren. Wir sind bessere Schafe in einer Herde, aber Menschen?

Immanuel Kant sagte einst, wir sollten den Mut haben, uns unseres eigenen Verstandes zu bedienen. Vor allem sollten wir den Mut haben, hinzusehen, wer wir selber eigentlich sind und nach welchen Massstäben wir leben wollen: Eigenen oder fremden? Wollen wir nur Ausführende von anderen Ansprüchen sein oder aber selbstbestimmt durchs Leben gehen?

Für ein selbstbestimmtes Leben gibt es nur eines: Geh in dich, frage dich, wer du bist und wer du sein willst, löse dich von inneren und äusseren Autoritäten, die über dein Leben bestimmen wollen, und lebe, wie es dir entspricht.

Innehalten

„Die Ruhe der Seele ist ein herrliches Ding und die Freude an sich selbst.“ Johann Wolfgang von Goethe

Einfach mal einen Moment innehalten. Durchatmen. Nichts tun. Einfach mal geniessen. Einfach mal hinhören, was um mich ist. Hinschauen, was ich sehe. Einfach mal fühlen, wie die Luft meine Haut berührt. Spüren, wie sich mein Körper anfühlt. Einfach mal tief einatmen. Fühlen, wie sich der Bauch hebt. Und wieder ausatmen und fühlen, wie er sich senkt. Und dann einfach sein. Hier. Jetzt. Bei mir.

Es braucht wenig und es tut so gut, wenn wir einfach mal wieder ganz präsent sind, achtsam den Moment wahrnehmen. So können wir uns im oft hektischen Alltag kleine Oasen schaffen, in denen wir auftanken. Wie sagte schon Konfuzius:

„In der Ruhe liegt die Kraft.“

 

20. März

„1. Was kann ich wissen?
2. Was soll ich tun?
3. Was darf ich hoffen?
4. Was ist der Mensch?“ (Immanuel Kant)

Wenn wir durchs Leben gehen, neigen wir dazu, alles zu bewerten und zu beurteilen. Wir teilen ein in gute und schlechte Dinge, richtiges und falsches Verhalten, schön und hässlich, nett und unfreundlich. Wir bestimmen, mit wem und was wir uns umgeben wollen und wen oder was wir lieber meiden. Oft schiessen wir mit solchen Urteilen auch zu schnell heraus – teilweise bereuen wir das später. Es kann durchaus helfen, uns ab und an selber zu hinterfragen, bevor wir wieder einmal urteilen wollen:

Was weiss ich überhaupt wirklich über den Menschen oder die Situation? Steht mir ein Urteil zu? Was ist das Verhalten, das ich mir wünschen würde von dem Menschen, der ich sein möchte? Und schliesslich: Worauf kann ich im Leben hoffen und welche Hoffnungen führen nur zu falschen Erwartungen und damit zu Enttäuschungen?

Bei all diesen Fragen hilft es immer auch wieder darüber nachzudenken, was es überhaupt heisst, Mensch zu sein, denn: (Unser) Menschsein ist die Basis für alles andere, das aus ihm erwächst.

19. März

„Wer einmal zu sich selbst gefunden hat, der kann nichts auf dieser Welt mehr verlieren.“ (Stefan Zweig)

Es gibt unzählige Geschichten davon, wie Menschen in die Welt zogen, um Glück oder Reichtum zu finden, und erst spät merkten, dass beides schon immer da war. Wie oft suchen wir unser Glück in Dingen? Wie oft denken wir, dass wir nur noch dies oder jenes haben müssten, um dann glücklich zu sein? Und wie oft fürchten wir, etwas zu verlieren, was uns lieb und teuer ist, so dass wir kaum geniessen können, es zu haben?

So lange wir uns an äussere und vergängliche Dinge hängen (und unser Körper und das Leben an sich gehören ebenfalls dazu) verschliessen wir uns selber den Weg zu wahrem Glück. Das Glück ist immer da, es liegt in uns selber. Tauchen wir also ein und finden es. Was könnte uns dann noch etwas anhaben? Wer könnte uns noch etwas nehmen?